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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Mut gegen Hass

von Wolfgang Kessler vom 04.05.2012
Die Bremer Stiftung »die Schwelle« ehrt, was die ganze Welt braucht: Menschen mit Zivilcourage

In einer Zeit, in der Deutschland über rechtsextremen Terrorismus diskutiert und weltweit bürgerkriegsähnliche Konflikte zunehmen, kommt einer herausragenden Eigenschaft besondere Bedeutung zu: Zivilcourage. Da trifft es sich gut, dass die Bremer Stiftung »Die Schwelle« wieder Menschen mit dem Internationalen Bremer Friedenspreis ausgezeichnet hat, die die Schwelle von Hass zu Versöhnung überschritten und den Teufelskreis der Gewalt durchbrochen haben.

Zum Beispiel den Imam Vahidin Omanovic aus Bosnien-Herzegowina. Auch er war von dem Krieg traumatisiert, der sein Land zwischen 1992 und 1995 erschütterte. Seine Familie hatte unter dem Krieg gelitten, er war mit Hass aufgeladen und nicht bereit, die bosnischen Serben in seiner Heimatstadt Sanski Most zu akzeptieren. Als ihn ein Mitarbeiter eines Friedenszentrums bat, als Muslim an Friedensgesprächen teilzunehmen, musste er lange überlegen. Schließlich gab er sich einen Ruck und erlebte zunächst reserviert, wie Serben, Kroaten und Bosnier über die Wunden sprachen, die der Krieg bei ihnen hinterlassen hatte. Dabei wurde ihm bewusst, wie sehr alle unter diesem Krieg gelitten hatten. Er ging zu Friedensstudien in die USA und gründete nach seiner Rückkehr ein Zentrum für Friedensförderung. In Friedenscamps bringt Omanovic nun seinerseits katholisch-kroatische, orthodox-serbische und muslimische Bosnier zusammen. In einem geschützten Rahmen sprechen sie über quälende Kriegserinnerungen, arbeiten diese auf, beten gemeinsam und erkunden Wege der Versöhnung. »Wenn er vom Frieden erzählt, ist das etwas ganz Besonderes«, berichtet ein Teilnehmer von einem der Camps. Omanovic lehnt jeden religiösen Nationalismus ab: »Ich kämpfe dafür, dass sich die Gesellschaft von unten verändert und die Menschen nicht mehr zulassen, dass ihre religiösen Gefühle von Politikern instrumentalisiert werden.« Jetzt wurde er als »unbekannter Friedensarbeiter« geehrt.

Die Gesellschaft von unten verändern will auch Shreen Abdul Saroor. Die Muslimin aus Sri Lanka erlebte viele Jahre ein feindliches Umfeld. Zunächst wurden sie und ihre Familie als Angehörige einer muslimischen Minderheit von den hinduistischen Tamil Tigern aus dem Norden Sri Lankas vertrieben. Auch unter der Mehrheit der buddhistischen Singhalesen war die gut ausgebildete Betriebswirtin und überzeugte Feministin nicht wohlgelitten. Doch die Ablehnung durc

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