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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

Die rosa Verblödung

von Andrea Teupke vom 04.05.2012
So werden Mädchen und Jungen gemacht: Spielzeugindustrie und Werbung setzen immer stärker auf den Geschlechterunterschied. Den Umsätzen tut das gut – den Kindern nicht unbedingt

Ausgerechnet Lego. Ausgerechnet dem dänischen Traditionsunternehmen, mit dessen Noppensteinen schon Generationen von Kindern hingebungsvoll gespielt haben, wird vorgeworfen, ein reichlich dümmliches Frauenbild zu propagieren. Die neue Produktlinie »Lego-Friends«, die in wenigen Tagen in Deutschland auf den Markt kommen wird, rankt sich um fünf Püppchen, die aussehen wie geschrumpfte Barbies. Mit ihnen können Mädchen ab fünf Jahren laut Werbung »in fantastische Rollenspiele abtauchen«; sie können in einer fiktiven Vorstadt namens Heartlake City »shoppen« und »Party feiern«, sich »stylen« und »jede Menge Spaß haben«.

Zu bauen gibt es dabei so gut wie gar nichts. Schließlich seien die Spielsets »speziell auf die Interessen von Mädchen abgestimmt«, heißt es in der Produktbeschreibung. Und so müssen nur wenige Steine mit vorgefertigten Elementen kombiniert werden, um Softeis-bunte Szenarien zu errichten, die einer jugendfreien Fassung von Sex and the City entsprungen sein könnten: Emma schminkt sich oder liegt im Pool, Stefanie fährt Cabrio und Mia frisiert Hundebabys. Damit das Leben zwischen Café und Schönheitssalon nicht zu schnell langweilig wird, versprechen die Hersteller »unbegrenzte Frisur- und Modekombinationen«.

In den USA hat Lego mit diesem pink- und türkisfarbenen Mädchentraum eine heftige Debatte über Spielzeug, Werbung und Geschlechterrollen ausgelöst. Feministische Bloggerinnen äußerten sich sarkastisch bis empört, in der New York Times und der Bloomberg Business Week erschienen kritische Artikel, und die junge Autorin Bailey Shoemaker-Richards startete eine Online-Petition, die innerhalb eines Monats mehr als 50 000 Mal unterzeichnet wurde. Das Frauenbild, das durch Lego-Friends und die 40 Millionen Dollar schwere Werbekampagne dafür transportiert werde, sei nicht nur beleidigend, sondern geradezu schädlich für Mädchen, heißt es in der Petition.

Würde jemand getrennte Sandkästen für Mädchen und Jungen fordern – die Aufregung könnte kaum größer sein. Und vermutlich wäre sie auch viel geringer, hätten nicht die meisten der heutigen Eltern, Journalisten und Hirnforscherinnen viele Stunden ihrer Kindheit auf Knien verbracht, um rechteckige Hartplastiksteine aufeinanderzustecken. Im k

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