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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Keine Kniebeuge vor der Macht

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Kirchliche und politische Zivilcourage: Der Aktionskreis Halle

Im Politischen Stadtplan Zivilcourage contra Macht von Halle an der Saale spielt ein Kreis kritischer DDR-Katholiken eine Rolle. »Im Jahr 1969 gründete sich der Aktionskreis Halle (AKH) in der katholischen Gemeinde Heilig Kreuz in der Gütchenstraße 21 und verschickte Rundbriefe mit dem erklärten Ziel, ›in einer autoritären Kirche und einem totalitären Staat Demokratie zu üben‹.«

Fünf »Gründungsväter« heben in der Zeit nach den Zweiten Vatikanischen Konzil den AKH aus der Taufe: Claus Herold, Heribert Kamper, Helmut Langos, Adolf Brockhoff und Willi Verstege. Die Herren sind begeistert vom revolutionären Aufbruch der katholischen Weltkirche. Sie lesen die Gerechtigkeits-Enzyklika von Papst Paul VI., Populorum Progressio, und die Texte des Konzils. Die fünf wollen, dass auch die kleine katholische Kirche in der DDR aufbricht, die zum guten Teil aus Flüchtlingen besteht. Damit ist der Konfliktkurs zu dem ebenso imposanten wie konservativen Berliner Kardinal Alfred Bengsch vorgezeichnet. Bengsch hatte – innerlich wohl öfter zähneknirschend – das Konzil in Rom zwar mitgemacht. Doch die DDR-Kirche, so wollte es der Kardinal, solle weiterhin gegenüber der atheistischen Gesellschaft in einer Igel-Stellung verharren. Die Katholiken sollten sich nicht als Bürgerinnen und Bürger einmischen, gänzlich anders als die viel größere evangelische Schwesterkirche. Die probte das gesellschaftliche Engagement unter Überschriften wie »Kirche im Sozialismus«.

Über die an Konflikten und Zivilcourage reiche Geschichte der im AKH versammelten kritischen Katholiken der DDR berichtet hoch informativ die lesenswerte Broschüre »AKH«, die der Kreis soeben herausbringt. Bedeutsam ist darin die kritische Rückschau eines »Nachgeborenen«, des Bischofs von Magdeburg, Gerhard Feige: »Ich möchte mein Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, dass der AKH nicht nur unter einer schmerzlichen (kirchlichen) Ausgrenzung, sondern auch unter staatlichen Repressionen (durch die Stasi) gelitten hat, die offensichtlich durch entsprechende Äußerungen kirchlicher Verantwortungsträger gegenüber dem Staatsapparat überhaupt erst möglich geworden sind. Trotzdem haben Sie sich nicht entmutigen lassen. Dafür sei Ihnen ausdrücklich gedankt. Ohne den AKH würde rückblickend die katholische Kirche in der DDR mit Sicherheit farbloser dastehen.« Und noch eines:

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