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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Firlefanz der Macht

von Mathias Wirth vom 04.05.2012
Das herrschaftliche Gebaren vieler katholischer Bischöfe widerspricht dem Auftrag der Kirche. Ein zorniger Zwischenruf

Darf man als Bischof ein Faible für Macht und Leitung haben? Bischof Franz-Josef Overbeck jedenfalls bekennt sich dazu. In der WDR-2-Sendung MonTalk gab der Essener Oberhirte vor einiger Zeit unumwunden zu, immer schon, seit seiner Kindheit und Jugend, gerne Leitung wahrgenommen zu haben. Besonders seine Schwester, so Overbeck, könne ein Lied von der Leitungs- und Machtlust des Bruders singen. Andere Bischöfe wie etwa der Kölner Kardinal Joachim Meisner, der Regensburger Ludwig Gerhard Müller oder der Limburger Franz-Peter Tebartz-van Elst treten mit ähnlichem Anspruch auf. Alles kein Problem?

Zu seinen Lebzeiten kamen dem Nazarener die Kranken, Mittellosen, Marginalisierten, Gebrochenen, Entrechteten, die Stigmatisierten und Outlaws in den Dörfern entgegen. Bei seinen Reisen umgibt sich der Papst, der höchste Vertreter dieses Jesus von Nazareth, mit Sicherheitspersonal, Würdenträgern und Königen, oft begleitet vom erschreckenden Hass demonstrierender Gegner, wie etwa beim Weltjugendtag im Sommer in Madrid.

Es waren Theologen wie Romano Guardini (1885-1968) und Yves Congar (1904-1995), die mit ihrer deutlichen Kritik an einer autoritären Oben-unten-Kirche an das Subversive der Kirche erinnerten: an eine Kirche, die anders sein muss als die Gegenwart, die allein aus der Kraft der Liebe lebt, ohne Krücken der Gewalt – gewiss würde sie so wahrer und wieder zu einem Ort, der jene anzieht, die Jesus angezogen hat: Menschen mit brennenden Herzen.

Wenn man Theologie nicht verharmlost oder als fromme Lyrik abtut, dann schafft der Verweis auf das spirituelle und kirchenpolitische Menetekel dieser beiden großen Theologen einen grellen Hintergrund, vor dem aller synkretistischer Macht-Firlefanz und aller klerikaler Popanz nicht nur belachenswert, sondern vor allem beschämend wirken. Alle Insignien der Macht, alle umständlichen Titel kirchlicher Würdenträger, die Christus ohnehin streng verboten hat (Matthäus 23, 8), alle Gesten der Autorität und Überheblichkeit kirchlicher Amtsträger – zumal bei säkularer Gegenfront und dem atheistischen Lebensgefühl der Menschen – distanzieren und entfremden von der knienden, sich erniedrigenden und Füße waschenden Liebe Jesu.

Romano Guardini unterscheidet in seinen »Meditationen über Wesen und Auftrag der Kirche« zunächst die Autorität der Kirche von Herrschaf

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