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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Heilige Energien entdecken

von Norbert Copray vom 04.05.2012
Der Reichtum jüdischer Mystik und die spirituelle Leere

Jeremy Rosen Geheimnisse der Kabbala Texte und Symbole der jüdischen Mystik. Gerstenberg. 160 Seiten. 19,95 €

Die Kabbala hat durch die Pop-Ikone Madonna und die US-Schauspielerinnen Gwyneth Paltrow und Jennifer Aniston einen gewissen Promi-Faktor bekommen. Jüdische Kabbalisten sehen in der »Pop-Kabbala« allerdings eine Verfälschung und in deren Popularisierung einen Ausverkauf der jüdischen Mystik. Denn für viele Menschen ist die Kabbala der Übergang in die esoterische Spiritualität. Dazu gibt es Gruppen und Internetforen, in denen teilweise heftig gestritten wird.

Es ist nicht einfach, in die Kabbala einzudringen. Umso besser ist es, in dem belgischen Rabbiner Jeremy Rosen einen seriösen und gelehrten Reiseführer zu haben, der an der Antwerpener Universität auch Vorsitzender der Fakultät für vergleichende Religionswissenschaften ist. Und der mit »Geheimnisse der Kabbala« ein ebenso schön gestaltetes, reich illustriertes wie gut verständliches Buch vorgelegt hat, das den vielfältigen Reichtum jüdischer Mystik erschließt und dabei auch die Grenzen der Kabbala aufzeigt.

Kabbala ist ein hebräisches Wort und heißt schlicht »Überlieferung«, »Weitergabe« und auch »empfangen«. Kabbala meint ursprünglich die jüdische Mystik; seit dem Mittelalter bezieht es sich auch auf spezielle Deutungen und Anleitungen, um verborgene Botschaften in der Bibel zu entdecken und »durch heilige Energien in direkten Kontakt mit Gott« zu treten. Solche heilige Energien können durch Studium, Meditation, Fasten und andere Methoden hervorgerufen und gestärkt werden. Letztlich geht es darum, den Menschen ganz auf Gott auszurichten und mit ihm durch Körper-, Seelen- und Wortsprache in Verbindung zu treten. In Gestalten wie Isaak, Jakob, Moses und Elija, die mystische Erfahrungen hatten, sehen die Kabbalisten ihren Ursprung.

Als im Mittelalter christliche Theologen versuchten den christlichen Glauben immer stärker philosophisch zu untermauern, griffen die Juden auf ihr eigenes mystisches Erbe zurück, um ihren Glauben zu bewahren und sich abzugrenzen. Neue Werke entstanden in Frankreich und Spanien; so »Bahir«, das Buch des Lichts, und »Sohar«, zu Deutsch: Glanz. Sohar ist am meisten verbreitet. Es ist eine Sammlung von Vorträgen, Dialogen und Kommentaren zur »Thora« (fünf Bücher Mose). Im 18. Jahrhundert etablierte sich die Kabbala in O

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