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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Aus Überzeugung

von Hartmut Meesmann vom 04.05.2012
Zwei vom Amt suspendierte katholische Priester feierten beim Papstbesuch ein »Abendmahl für alle«. Jetzt folgt die Strafe

Es kommt, wie es kommen musste: Die katholische Hierarchie reagiert mit einer Strafmaßnahme, wie sie das Kirchenrecht vorsieht. Warum?

Die beiden ehemaligen katholischen Priester Norbert Reicherts und Christoph Schmidt hatten am Vorabend des Deutschlandbesuchs des Papstes in der evangelischen Kirche Sankt Thomas in Berlin-Kreuzberg einen »Gottesdienst für alle« gefeiert, zu dem über 400 Menschen gekommen waren. Sie hatten sich damit über ein ausdrückliches Verbot des neuen Berliner Erzbischofs Rainer Maria Wölki hinweggesetzt. »Aus Überzeugung«, wie Reicherts auf Nachfrage erklärt. Denn zum Abendmahl lade Gott selbst ein; niemand, auch kein Bischof, habe das Recht, die Teilnahme an der Mahlfeier zu verweigern.

Die beiden standesamtlich verheirateten homosexuellen Freunde waren 1998 aus eigenem Entschluss aus dem priesterlichen Amt ausgeschieden. Sie wurden daraufhin als Geistliche der Bistümer Paderborn (Reicherts) und Essen (Schmidt) von ihrem priesterlichen Amt suspendiert. Die Theologen hatten damals erklärt, ihr Verständnis eines wahrhaft christlichen Lebens nicht mehr mit der Lehre und Praxis der römisch-katholischen Kirche in Einklang bringen zu können.

Er sei nicht mehr bereit, Kinder zu taufen, »nur damit sie einen Kindergartenplatz bekommen«, hatte Reicherts seinen Schritt gegenüber dem damaligen Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt begründet. Er wolle auch nicht mehr junge Menschen am Altar trauen, die dann, wenn sie sich wieder trennten, in der katholischen Kirche »wie Parias« behandelt würden.

Jetzt will Degenhardts Nachfolger in Paderborn, Hans Josef Becker, in Rom die zwangsweise Laisierung Reicherts beantragen. Der Bischof wirft seinem ehemaligen Untergebenen vor, mit dem »Abendmahl mit Christen verschiedener Konfessionen« einen krassen Verstoß gegen die Ordnung der katholischen Kirche begangen, mit der homosexuellen Partnerschaft »gegen das Weiheversprechen zu lebenslanger priesterlicher Lebensweise und Ehelosigkeit« verstoßen und mit der Feier von Taufen, Hochzeiten und Eucharistiefeiern »in schwerwiegender Weise die Gemeinschaft und Einheit der Kirche« verletzt zu haben. – Christoph Schmidt seinerseits wartet derzeit ab, ob nun aus dem Bistum Essen eine ähnliche Maßnahme zu erwarten ist – was man annehmen muss.

Der 48-jährige Norbert Reicherts hat sich s

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