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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2019
Mach mich unsterblich!
Der Plan von der Erschaffung des perfekten Menschen
Der Inhalt:

Harfe statt Tabletten

von Sara Mierzwa vom 06.12.2019
Die therapeutische Wirkung von Musik ist seit Jahrhunderten belegt. In Krankenhäusern spielen Musiktherapeuten auf Saiteninstrumenten direkt am Bett der Patienten

Birgit Nouak lag in einem bayerischen Krankenhaus und konnte wieder mal nicht schlafen. Nach vielen Operationen war sie so zermürbt und zerschlagen, dass sie trotz Schmerzmittel keine Ruhe fand. Doch eines Abends saß Uschi Laar an ihrem Bett – mit einer Harfe. »Ein Privatkonzert für mich?«, fragte die Fünfzigjährige überrascht. »Das gibt’s doch nicht!«

Ja doch, das gibt es. Die Harfenistin Uschi Laar, Dozentin an der Fachhochschule in Krems im Fach Harfe im Lehrgang für Musiktherapie, spielt regelmäßig in Kliniken und Hospizen für kranke Menschen. Sie hat die heilsame Wirkung von Musik auf einer Reise in Indien entdeckt und vereint nun in ihrem Lehrgang »Musikheilkunde« traditionelles Wissen und aktuelle Erkenntnisse über die Heilkraft der Töne. 2011 gründete sie das »Institut für Harfe und Musikheilkunde«.

Erfahrungen mit der Heilkraft der Musik gibt es aber nicht nur in Indien. Auch in Europa wurden Musiker bis ins 19. Jahrhundert in der Krankenpflege eingesetzt. Die mittelalterliche Mystikerin Hildegard von Bingen schrieb dafür eigene Heilgesänge. Klassische Komponisten wie Beethoven und Mozart wussten um die Wirkung verschiedener Tonarten auf die Stimmung von Menschen, wenn sie Stücke komponierten. Mütter nutzten die tröstende Kraft des Gesangs, wenn sie ihren Kindern nach einem Sturz über das schmerzende Knie strichen und »heile, heile Segen« sangen.

Die Harfenistin Uschi Laar passt die Auswahl der Stücke oder Improvisationen, die sie im Krankenhaus spielt, sehr genau auf die Bedürfnisse der Patienten ab. »Ein Dreiviertel-Takt verbreitet eine umhüllendere Atmosphäre als ein Zwei-Viertel-Takt, der als Marschrhythmus bekannt ist und zum Vorwärtsschreiten anregt«, erläutert sie. »Und ein lebendiges Stück in G-Dur wirkt anders als ein emotionales Lied in a-Moll.« Birgit Nouak, die schlaflose Patientin, hat sich besonders über das Walzerstück an ihrem Krankenhausbett gefreut, und die Erinnerung an ihren Tanzunterricht hat sie belebt.

Frequenz, Rhythmus, Tonart und Taktart. All das hat seine eigene Wirkung auf die Psyche der Menschen und kann auf spezifische Art die inneren Heilkräfte anregen.

Der Historiker Werner Kümmel aus Mainz hat die Nutzung der Musik in der Medizin erforscht und kann auf vielfältige Weise belegen, dass Ärzte in früheren Zeiten ganz selbstverständlich mit Musikern zusammengearbeitet haben. In

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