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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Nachgefragt: Weshalb fliehen so viele?

von Thomas Seiterich vom 07.12.2018
Kardinal Gregorio Rosa Chavez aus El Salvador zur Flüchtlingskarawane in Zentralamerika

Publik-Forum: Herr Kardinal, halten Sie als Chef der Caritas Lateinamerikas Kontakt zu den Flüchtlingen, die in einer Karawane nach Norden, in Richtung USA ziehen?

Kardinal Gregorio Rosa Chavez: Ja, jetzt ist diese Karawane sichtbar und in den Medien. Jahrelang war sie unsichtbar. Doch dieser Strom wurde nie unterbrochen, denn das Elend, die Gewalt und die Hoffnungslosigkeit sind zu groß. Aus El Salvador sind aktuell 1700 Menschen unterwegs. Als Caritas halten wir engen Kontakt mit den Flüchtlingen, die Kirche versorgt und begleitet sie. An Grenzen leisten wir Hilfe. Von Land zu Land reicht diese Kette der praktischen und politischen Nächstenliebe. US-Präsident Trump ist nicht allmächtig – seine Grenze ist nicht lückenlos dicht. Engagiert christliche US-Richter helfen Flüchtlingen. Sie haben mit Flüchtlingen Thanksgiving gefeiert.

Wie bewerten Sie die von der Regierung Trump geplante Grenzmauer der USA?

Rosa Chavez: Papst Franziskus warnte bereits im Wahlkampf, Trump zu wählen, weil er Mauern gegen Menschen aus dem Süden ankündigte. Franziskus lehrt, wir müssen Brücken bauen, nicht Grenzfestungen. In den USA bilden die Latinos mit fast zwanzig Prozent Bevölkerungsanteil die größte Minderheit. Ich besuche oft Latinos in den US-Städten. Sie sagen mir, Washington würde kollabieren, wenn wir unsere Arbeit einstellten. Latinos sind mächtig: Sie haben 2008 den Wahlsieg von Präsident Barack Obama bewirkt. Dasselbe wiederholte sich soeben bei den Siegen der Demokraten bei der Wahl zum Kongress.

Wie ist die Lage in El Salvador, von wo ein Teil der Flüchtlingskarawane aufbrach?

Rosa Chavez: So brutal und hoffnungslos, dass von den neun Millionen Bürgern drei Millionen aus ihrer Heimat geflohen sind. Ein Drittel der Salvadorianer lebt im Ausland, vor allem in den USA. In El Salvador zählen etwa 100 000 Menschen zu den Maras. Das sind die mörderischen Banden, die man verharmlosend Jugendbanden nennt, obwohl heute bereits die dritte Generation kämpft, vergewaltigt, erpresst und schießt. Von ihrem Weg gibt es keine Umkehr. Auch deshalb tätowieren sie sich das Zeichen ihrer Bande auf die Stirn oder den Leib. Täglich werden im Schnitt zehn Morde verübt. El Salvador zählt nur in einer Hinsicht zur Weltspitze: Jährlich werden 108 von 100 000 Bürgern e

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