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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Schluss mit dem Eingelullt-Werden

von Ludwig Greven vom 07.12.2018
Die CDU-Mitglieder haben sich am Wettkampf um die Merkel-Nachfolge begeistert. Er belebt Partei und Demokratie

Aus ganz Niedersachsen sind sie in die Halle am Hafen nach Bremen gekommen. Es ist die siebte von acht Regionalkonferenzen der CDU. Rund 2000 Mitglieder wollen sich ein Bild von den drei Kandidaten für die Merkel-Nachfolge an der Parteispitze machen. Wenige Tage vor der Wahl haben viele einen Favoriten oder eine Favoritin, zumindest »eine Tendenz«. Andere sind noch völlig offen. Doch sie alle nehmen sich einen Abend Zeit und manche noch die halbe Nacht für die Rückreise, um Basisdemokratie zu üben: sich selbst ein Bild zu machen und mitzureden, wer die Partei künftig wie und mit welcher Ausrichtung führen soll. Dabei können die allermeisten gar nicht mitentscheiden, weil sie keine Delegierten auf dem Parteitag sind. Aber fast alle fordern: Wenn sie sich schon für die Partei engagieren, wollen sie gefragt werden und nicht nur Ratschlüsse aus dem Kanzleramt abnicken, wie es in der CDU jahrzehntelang üblich war, auch unter der Parteimodernisiererin Merkel. Mit ihrer sogenannten asymmetrischen Demobilisierung – kaum Position zu beziehen, um der Konkurrenz keine Angriffsfläche zu bieten – habe sie nicht nur die Gegner eingelullt, »sondern auch uns demotiviert«, klagt ein junger Mann während der Aussprache.

Damit soll Schluss sein. Die Mitglieder sollen in Zukunft mitreden und mitentscheiden, versprechen alle drei Kandidaten. Früher, sagt Ex-Fraktionschef Friedrich Merz in seiner Bewerbungsrede, hätte man ein Mitglied nachts wecken und fragen können, warum es in der Partei sei. Heute scheint das vielen nicht klar zu sein. Merkel hat den Kurs in zentralen Fragen wie der Wehrpflicht, der Atomkraft, dem Familienbild und der Einwanderungsfrage so sehr geändert, dass die Partei ihre Orientierung verloren hat. »Wir wollen wieder wissen, warum und wofür wir kämpfen, Abende lang im Ortsverband hocken und Plakate kleben«, sagen mehrere.

»Es geht nicht um mich, es geht nicht um einzelne Personen«, ruft Annegret Kramp-Karrenbauer, die in Bremen am meisten Applaus bekommt, weil sie am stärksten die Stimmung in der Partei trifft. Die CDU müsse »eine starke Volkspartei bleiben, als größte Denkfabrik des Landes«. Dafür brauche es neue Themen, neue Antworten und einen neuen Stil. »Die Leute müssen von uns begeistert sein.« Gesundheitsminister Jens Spahn, der dritte und konservativste im Bunde, stimmt ein. »Die CDU muss eine moderne Mitmachpartei werden, in der wieder debattiert wird.« Viele Mitglieder

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