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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Gott gegen die Welt

Vor fünfzig Jahren starb Karl Barth. Die Professorin Christiane Tietz spricht über den streitbaren evangelischen Theologen

Publik-Forum: Frau Tietz, Sie haben eine große Biografie über Karl Barth verfasst. Was hat Sie bewogen, sich so intensiv mit diesem Theologen auseinanderzusetzen?

Christiane Tietz: Barth hat mich schon als Studentin interessiert, weil ich seinen Mut, Stellung zu beziehen, bewundert habe. Auch fand ich seinen theologischen Ansatz faszinierend. Daher wollte ich genauer wissen, wer der Mensch hinter dieser Theologie ist.

Was hat Sie dabei am meisten überrascht?

Tietz: Die Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit. Einerseits hatte er den Mut, seine Position wortgewaltig zu vertreten – auch gegen massive Kritik. Andererseits kannte er Selbstzweifel und Unsicherheiten. Ich fand es schön, diese leisen Zwischentöne zu entdecken. Und schließlich sein Humor und seine Selbstironie. Ich bin am Schreibtisch oft in lautes Lachen ausgebrochen.

Barths Theologie gilt heute vielen als ein Fall fürs religiöse Museum. Sie sei ideengeschichtlich interessant, aber nicht mehr anschlussfähig an das heutige Welt- und Gottesverständnis. Teilen Sie dieses Urteil?

Tietz: Nein. Dass Barth in seinem theologischen Denken von Gott und Gottes Selbsterschließung ausgeht, ist nicht veraltet, auch wenn viele Theologen heute wieder meinen, es reiche, nur vom Menschen und seiner Religiosität auszugehen. Diese Position hat Barth ja gerade entschieden bekämpft. Außerdem finde ich es schwierig zu sagen, Menschen heute sei nur ein solcher an der Religiosität orientierter Ansatz zu vermitteln. In solchen Zeitdiagnosen steckt ein Menschen- und Gesellschaftsbild, das mir zu pauschal ist. Und