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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Streitfragen
zur Zukunft: Brauchen Kinder Religion?

von Volker Ladenthin vom 07.12.2018
Ja. Denn sie erwarten Antworten auf ihre religiösen Fragen Kinder brauchen eine existenzielle Deutung des eigenen Lebens. Dazu reichen rein innerweltliche Erklärungen nicht aus

Sprechen wir zuerst von den Kindern. Also von jenen Mädchen und Jungen zwischen null und zehn Jahren, die rasant lernen, in einer hochkomplexen Welt zu handeln. Sie stehen neugierig vor dem, was die ältere Generation ihnen gerade hinterlässt. Nichts ist sicher, alles ist möglich. Das begreifen sie ganz schnell. Es gibt so viel zu entdecken, so viele Geheimnisse, Angebote, Möglichkeiten, Optionen, Alternativen. Wie soll man da die richtige Wahl treffen? Wie soll man das auswählen, was gut ist? Was ist überhaupt gut? Warum ist eine Möglichkeit besser als die andere? Was ist das Kriterium – und wer bestimmt, was ein Kriterium ist? Und wer bestimmt jene, die das bestimmen? Warum soll man immer das Bessere wählen? Und wann entscheidet sich, was das Bessere war? Gleich? Heute? Morgen? Wenn man erwachsen ist? Wenn man auf sein Leben zurückschaut?

Die Schokolade schmeckt augenblicklich besser als die Möhre. Und ohne Zähneputzen abends ins Bett zu steigen ist bequemer als sorgfältig Innen- und Außenseiten der Zähne zu schrubben. Wozu also Zähneputzen? Und wenn’s die Eltern gar nicht sehen, wer hätte dann noch etwas zu bemängeln?

All diese Fragen mögen uns Erwachsenen banal, kindlich oder sogar kindisch vorkommen. Aber sie beschäftigen Kinder tagtäglich. Diese alltäglichen Fragen verweisen allesamt auf die entscheidenden Grundfragen unseres Lebens: Warum willst du gut handeln? Was ist der letzte Antrieb für gutes Handeln? Was ist der Sinn all der Zwecke, die man sich jeden Tag setzt? Wann und woran wird das Leben gemessen? Wer misst es? Man selbst? Aber wer ist man? Wieso kann man sein eigenes Leben bemessen, also zugleich Maß und Gemessenes sein?

All diese Fragen stellen sich nicht erst, wenn auf der Geburtstagstorte 11, 16 oder 18 Kerzen brennen. Diese Fragen stellen sich, wenn sie sich stellen. Wenn Kinder sie stellen. Ein Datum gibt es nicht, wohl aber die kindliche Erwartung, von Erwachsenen nicht mit raschen Antworten einfach nur vertröstet zu werden.

Keine dieser Fragen können wir innerweltlich beantworten: Warum können wir das Bessere wollen, wenn niemand das Beste kennt? Warum schert uns die Wahrheit, wenn sie doch niemand besitzt? Kann der Grund, sittlich zu handeln, in der Sittlichkeit liegen, wenn wir ihre Sinnhaftigkeit erst noch begründen wollen? Der Grund für Zweckmäßigkeit und Funktionalität liegt nicht im

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