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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Verletzte

Leyla Hussein wurde als Siebenjährige beschnitten. Heute kämpft sie aktiv gegen das grausame Ritual. Und erzählt ihre Geschichte im Kino

Leyla Hussein war schwanger. Die elegante und selbstbewusste Somalierin lebte seit Jahren in London, sie freute sich auf ihr Kind. Doch bei der gynäkologischen Untersuchung überkam sie jähe Panik und sie fiel in Ohnmacht. Nach dem Erwachen erklärte ihr die Ärztin, dass dies die Folge eines Traumas sei: Leyla Hussein war als Mädchen bei vollem Bewusstsein beschnitten worden.

Bis zu ihrer Schwangerschaft hatte die Frau aus einer privilegierten somalischen Familie kaum über die Beschneidung nachgedacht. Da alle Frauen ihres Landes beschnitten waren, hielt sie das für normal. Doch nach dem Zusammenbruch drängte sich die unerträgliche Erfahrung, der sie als Siebenjährige unterworfen wurde, wieder ins Gedächtnis. »Es waren meine weiblichen Verwandten, die mich festhielten«, berichtet Leyla unter Wut und Tränen, »die Menschen, die ich am liebsten hatte!« Inzwischen ist die 38-Jährige eine weltweit bekannte Aktivistin gegen die Genitalbeschneidung.

Noch immer werde alle elf Sekunden ein Mädchen beschnitten, klagt Hussein an, »nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa. Und die Gesellschaft schaut weg, als sei es nur ein kultureller Brauch«. Leyla Hussein arbeitet als Psychotherapeutin mit betroffenen Frauen, betreibt eine Hotline für gefährdete Mädchen und hat das Thema durch eine Petition ins britische Parlament gebracht. Sie publiziert Videos und leitet Workshops in afrikanischen Ländern.

Derzeit ist sie im Kino in »Female Pleasures« zu sehen. Der Film begleitet fünf Frauen aus fünf Kulturen, die sich gegen die oft religiös begründete Unterdrückung der weiblichen Sexualität in ihren Gemeinschaften auflehnen. Eine davon ist Leyla Hussein. Hier sieht man sie mit dem Modell einer Vulv