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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Verfolgten Schutz bieten an heiligen Orten – eine uralte Tradition

Dass »heilige Orte« etwas Besonderes sind, galt vermutlich schon bei den Urvölkern Afrikas. Der Respekt vor den Schutzorten basiert auf dem Glauben, dass die Götter dort gegenwärtig sind und keine menschliche Gewalt dulden. Im antiken Griechenland war »Asylon« ein Ort, an dem es verboten war, Personen oder Sachen wegzuführen. Im Mittelalter, einer Zeit schwach entwickelter Rechtssicherheit und drohender Blutrache, wurde das Kirchenasyl sogar ein staatlich garantiertes Recht. Noch bis 1983 war es im katholischen Kirchenrecht verankert. Im gleichen Jahr entstand auch das heutige Kirchenasyl. Die Heilig-Kreuz-Gemeinde in Berlin nahm drei Palästinenserfamilien auf, die in den Libanon abgeschoben werden sollten. Seither dient die kirchliche Inobhutnahme von Flüchtlingen dazu, den Staat zur Korrektur einer Entscheidung zu bewegen.

Für die theologische Begründung des Kirchenasyls sind die Fluchtgeschichten der Bibel entscheidend, schließlich war selbst die »heilige Familie« auf der Flucht. Auch im Alten Testament ist Fremdenliebe ein hohes Gut: »Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr selbst seid Fremde in Ägypten gewesen«, heißt es im Buch Levitikus (19, 34). Zwar schreibt Paulus im Römerbrief (13, 1): »Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.« Doch zeige die Passion Jesu, dass die Loyalität »in erster Linie Gott und nicht den weltlichen Rechtsordnungen gilt«, schreibt die Studentin für Religions- und Gemeindepädagogik, Sarah Knissel, in ihrer Studie »Wie Kirchenasyl Gemeinden verändert«.

Nicht allein die Kirche schafft Schutzräume. In den USA und Kanada gibt es die »Sanctuary Cities«, die n