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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Zwischen den Stühlen

Asienreise: Warum der Papst das Wort Rohingya in Myanmar nicht aussprach

Eine Papstreise in das immerwährende Kriegsland Myanmar kann eigentlich nur schiefgehen. Zumindest in den Augen der Menschenrechtsprofis und Kommentatoren. Deren Forderung lautete, dass der Papst das von den burmesischen Militärmachthabern gehasste »R-Wort« – Rohingya – öffentlich vor Ort aussprechen müsse. Papst Franziskus hat jenes Wort, das die 620 000 aus Myanmar verjagten, muslimischen Rohingyas bezeichnet, vermieden. Ein Fehler? Bei näherem Hinsehen wohl kaum.

Franziskus agierte in den verworrenen Verhältnissen von Myanmar diplomatisch und dennoch deutlich. Er sprach nichtöffentlich Klartext. Daheim in Rom hatte er die Rohingyas als Brüder und Schwestern bezeichnet und für sie gebetet. In Myanmar folgte Franziskus dagegen dem dringenden Rat der burmesischen Bischöfe und tappte nicht in die von den Militärs aufgestellte Falle. Diese lauerten darauf, dass Franziskus die Wahlsiegerin und Zivilpolitikerin Aung San Suu Kyi öffentlich wegen des Völkermordes an den Rohingya diskreditieren würde. Solch eine Demontage hätte die Demokraten geschwächt und die Militärs gestärkt. Die Lage der Rohingyas hätte sich keinen Deut verbessert.

Weshalb aber fährt Franziskus überhaupt in Länder wie Bangladesch und Myanmar, die nur winzige christliche Minderheiten haben? Die Antwort lautet: Ihn zieht es an die Ränder der Weltgesellschaft. Dorthin, wo Armut und Gewalt das Leben prägen. Franziskus weiß, dass es keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden gibt. Dafür setzt er seine Autorität ein. In Myanmar ermahnte er Bürger, Militärs und Religionsvertreter, dass nur Vielfalt, Respekt und Kooperation ein friedliches Zusammenleben schaffen können. In Bangladesch traf er sich mit Vertretern der geflüchteten Rohingyas. Dort