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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Das Leib-Und-Seele-gespräch: »Wirklich wichtig ist nur dieser Tag«

von Gaby Herzog vom 08.12.2017
Die Schauspielerin Claudia Michelsen verkörpert oft kluge und selbstbewusste Frauen, die plötzlich in eine Krise geraten. Wie geht sie selbst mit Problemen um? Ein Gespräch über Kapitalismus, rote Teppiche und die Stille am Morgen

Publik-Forum: Frau Michelsen, Mitte November waren Sie in der ARD als Ärztin zu sehen, in dem Spielfilm »Götter in Weiß«. Da spielten Sie eine Chirurgin, die in einem kleinen Krankenhaus in Mecklenburg arbeitet und ein beschauliches Leben lebt …

Claudia Michelsen: … bis sie eines Tages merkt, dass in der Klinik schwer geschlampt wird. Nach einer Routineoperation erleidet ein zehnjähriges Mädchen einen anaphylaktischen Schock. Die Ärztin fängt an zu recherchieren und stellt dabei fest, dass durch hygienische Mängel Antibiotika in den Körper des Mädchens gelangt sind. Sie erkennt, dass es generell um die Sauberkeit im OP schlecht bestellt ist.

Ist das ein reelles Problem?

Michelsen: Krankenhauskeime sind ein Thema, das viel zu wenig öffentlich behandelt wird. Nichts ist transparent. Jedes Jahr infizieren sich bis zu 800 000 Menschen mit Krankenhauskeimen. Rund 16 000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr infolge dieser multiresistenten Erreger. Das Problem ist, dass Krankenhäuser und Ärzte unter zu großem Druck stehen, Profit zu machen. Man könnte sagen, Kapitalismus regiert unser Gesundheitssystem. Die optimale Auslastung der Betten, egal wie. Überall wird rationalisiert und gespart. Das fängt beim Pflegepersonal an und reicht bis in die Steri-Abteilung.

Wie gehen Sie persönlich mit dem Thema Krankheit um?

Michelsen: Mit Krankheit gehe ich um, wenn es unausweichlich ist. Aber was ist zum Beispiel mit der Unterstützung der Präventivmedizin? Auch da müsste sich viel verändern. Unabhängig davon ist es wichtig, was ich im Umgang mit mir selbst tun kann. Da hat sich für mich viel verändert seit der Geburt meiner Kinder. Seither beschäftige ich mich viel mit der Frage, was so alles in unsere Körper gelangen sollte, damit diese noch lange glücklich funktionieren können. Ich versuche generell bewusster zu leben. Morgens und abends nehme ich mir ein paar Minuten, um Danke zu sagen, zur Ruhe zu kommen.

Das klingt fast nach einem Gebet.

Michelsen: Ja, vielleicht könnte man es so nennen. Allerdings wende ich mich dabei nicht an den einen Gott. Früher war die Kirche, war der Glauben für das Innehalten zuständig. Ganz egal, welchen Unsinn die Kirche sonst getrieben hat – zumin

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