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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Um welche Versuchung geht es denn?

Warum ich gegen eine Änderung der Vaterunserbitte bin

Wer das Vaterunser bewusst betet, stolpert unweigerlich über die sechste Bitte: »Führe uns nicht in Versuchung!« Dass Menschen Schwierigkeiten haben mit der Vorstellung, dass Gott in Versuchung führt, ist unbestreitbar (vgl. Publik-Forum 22/2017, Seite 32). Doch wenn diese Bitte im Zusammenhang mit der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu gesehen wird, ergeben sich neue Perspektiven. Dann kann sich der Blick schärfen für Versuchungen und Bedrohungen in der Gegenwart – und man erkennt, wie zentral es dabei um die Gottesfrage geht.

Was verstehen wir in der Regel unter Versuchungen? Ich vermute: Engherzigkeit, Selbstbezogenheit, Oberflächlichkeit, mangelnde Eindeutigkeit, Egoismus, Kleinmütigkeit, Selbstgerechtigkeit, Gier und Ähnliches mehr. Also überwiegend individuelle Einstellungen. So verstanden wäre Versuchung etwas, mit dem sich jede und jeder persönlich auseinanderzusetzen hat und das nach Möglichkeit zu überwinden ist. Ob die Versuchung bestanden werden kann, ist dann abhängig von der Rück- und Zuwendung des Einzelnen zu Gott.

Um nicht missverstanden zu werden: Es geht mir nicht darum, die ernst zu nehmenden Einwände abzuqualifizieren. Eine Bitte, in der Gott gebeten wird, dass er nicht in Versuchung führe, setzt voraus, dass er es prinzipiell tun könnte. Wie dies zu verstehen ist, hat Theologinnen und Theologen viel Kopfzerbrechen bereitet. Ihre Lösungsversuche reichen von der »pädagogischen« Interpretation im Sinne einer Bewährungsprobe über individuell-moralische Verfehlungen bis hin zu strukturellen Erscheinungsformen von Versuchung.

Wenn man die Vaterunserbitte jedoch im Zusammenhang mit der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu bedenkt, bietet sich ei