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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Klangforscher

Seine Musik ist eigensinnig – und tief spirituell. Jetzt hat der Komponist Mark Andre den Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken bekommen

Wie klingt Auferstehung? Kann eine Abwesenheit hörbar werden? Der Komponist Mark Andre stellt sich und seine Zuhörer vor anspruchsvolle Fragen. Seine Stücke kreisen um das Geheimnis des Glaubens, wenn er immer wieder Klängen am Rande des Verstummens nachspürt. Für seine Oper »Wunderzaichen« – die eigenwillige Schreibweise ist gewollt! –, die vor vier Jahren in Stuttgart uraufgeführt wurde, reiste er sogar nach Jerusalem, um mittels aufwendiger Technik Tonaufnahmen in der Grabeskirche zu machen. »Ich gehe davon aus, dass Jesus von Nazareth Spuren hinterlassen hat«, begründet der Komponist sein ungewöhnliches Vorgehen: »Diese Spuren sind physikalisch nicht nachweisbar, aber doch in unseren Aufnahmen enthalten.«

Vor wenigen Tagen erhielt der überzeugte Protestant Mark Andre den renommierten Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken. Damit steht er nun in einer Reihe mit Künstlern wie dem Maler Gerhard Richter oder dem Architekten Peter Zumthor. Im Namen der Jury sagte der Cellist Julius Berger, Mark Andre sei »Avantgardist, der nicht nach Gefälligkeit, Popularität oder gar Marktförmigkeit schielt; er weiß sich einzig der Suche nach dem anderen, dem neuen Klang verpflichtet und scheut vor dem Experiment nicht zurück.« Kardinal Reinhard Marx pries Andres Werk als »avantgardistisch und ökumenisch«.

Eigensinnig war der 1964 als Marc André in Paris geborene Klangforscher schon immer. Nach dem Studium kehrte er seiner Heimat den Rücken, weil ihn die zeitgenössische Musikszene in Deutschland faszinierte. Später gab er sogar seinen französischen Namen auf. »In den 70er- und 80er-Jahren hatte man die Wahl, ob man bei Karlheinz Stockhausen, György Ligeti, Helmut Lachenmann oder Mauricio Kagel studiere