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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2016
Mit Feinden reden
Ex-Diplomat Michael Steiner über die Magie des Verhandelns
Der Inhalt:

Gemeinsam überleben

Global wachsen Gewalt und Kriege. Doch in der Klimapolitik ist alles anders

Internationale Klimapolitik hatte lange einen schlechten Ruf. Zu Recht. Zu zögerlich und zu halbherzig reagierte die Welt in den letzten Jahrzehnten auf die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch die Abgase aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas und die Zerstörung der Wälder.

Das hat sich geändert. Seit im Dezember 2015 die Staaten das Pariser Abkommen zum Klimaschutz unterzeichnet haben, geht es plötzlich holterdipolter. Das Abkommen wurde so schnell ratifiziert und in Kraft gesetzt wie kein anderer ähnlich komplexer Vertrag. Auf einmal denken auch langjährige Drückeberger über Klimaschutz nach. Beim Klimagipfel in Marrakesch verkündeten mehr als fünfzig Entwicklungsländer, sie wollten zwischen 2030 und 2050 vollständig auf Öko-Energien umschwenken. Und alle Staaten erklärten, sie würden »an Paris festhalten«, auch wenn der neugewählte US-Präsident Donald Trump mit seinem Land aussteigen sollte. So viel Selbstbewusstsein war nie.

Im Klimaschutz funktioniert halbwegs, was anderswo Mangelware ist: Kooperation über Ideologien hinweg, weil es gemeinsame Interessen gibt. Die großen Mächte scheitern daran, den islamistischen Terror des IS zu bekämpfen oder das Morden in Syrien zu beenden; autoritäre Regierungen in der Türkei, in Polen, Ungarn und den USA gefährden die Demokratie, mit Russland droht ein neuer Kalter Krieg. Da kommt der Klimaschutz als kleinster gemeinsamer Nenner ganz recht: Viele Staaten fühlen bereits die Wirkungen von Dürren, Unwettern und steigendem Meeresspiegel. Saubere Energien sind oft billiger als Kohle. Und in China und Indien wehrt sich die Bevölkerung gegen verdreckte Luft, die das Atmen zum Risiko macht. Schnelles Handeln ist also möglich – und nötig. Denn auch das