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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2016
Mit Feinden reden
Ex-Diplomat Michael Steiner über die Magie des Verhandelns
Der Inhalt:

Eine Stadt sagt Nein

von Jennifer Nicolay vom 02.12.2016
In Münster haben die Bürger gegen noch mehr verkaufsoffene Sonntage gestimmt. Ein politisches Signal?

Am siebten Tag sollst du ruhen. Gilt dieses biblische Gebot? Verkaufsoffene Sonntage sind beliebt und ziehen Scharen von Besuchern an. Nun setzen die Bürger im westfälischen Münster ein Zeichen gegen den sonntäglichen Kommerz: Im Bürgerentscheid stimmte die Mehrheit der Münsteraner für den Erhalt freier Sonntage und löst damit eine bundesweite Debatte aus. Was ist uns der Sonntag noch wert?

Im Mai verkündete die Stadt Münster nach einem Beschluss des Stadtrats, dass es in der Adventszeit 2016 zwei verkaufsoffene Sonntage geben sollte. Was für die großen Kaufhäuser im Vorweihnachtsgeschäft ein Segen ist, ist für manchen Arbeitnehmer ein Grauen. Das sahen nicht nur Gewerkschaften, sondern auch Kirchenvertreter so und gründeten eine Initiative dagegen – zum Schutz der Arbeitnehmer und der Sonntagsruhe. In wenigen Wochen schafften sie es, genug Unterschriften von Bürgern zu sammeln, um mit einem Bürgerentscheid den Ratsbeschluss zu kippen. Bei vielen Münsteranern trafen sie einen Nerv.

In jedem Briefkasten lag Ende Oktober dann ein etwas umständlicher formulierter Stimmzettel. 250 000 Wahlberechtigte sollten sich entscheiden, ob sie den Einkaufsverlockungen an den entsprechenden Adventssonntagen widersagen. Am 6. November votierte die Mehrheit in Münster für den freien Sonntag. Dass in einer Stadt wie Münster, mit ihrem konservativ-katholischen Ruf, ein Bürgerbegehren zum freien Sonntag erfolgreich ist, verwundert zunächst nicht. Doch auch in anderen Städten hat der Münsteraner Bürgerentscheid ein breites Echo ausgelöst. Mehrere Städte sagten daraufhin ihre geplanten verkaufsoffenen Sonntage im Advent ab – darunter auch weitaus weniger katholisch geprägte Städte wie etwa Wuppertal. Im Ruhrgebiet, in Frankfurt am Main und in München verhandle man ebenfalls neu, sagt die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), eine der Lokomotiven für den kommerzfreien Sonntag.

Ob die Ergebnisse woanders im Falle eines Bürgerentscheids anders ausfallen würden? Nicht unbedingt, meinen Vertreter beider Lager. Weder das Ergebnis noch die Stimmung in Münster seien eindeutig gewesen. Vor allem aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung von 22 Prozent hält CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Weber das Ergebnis nicht für besonders aussagekräftig. Ein politisches Signal will er darin nicht sehen. Auch einen Widerspruch zum Erhalt christlicher Werte stelle der verkaufsoffen

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