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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

»Unterfaden, Stoff und Nadel«

von Annette Lübbers vom 04.12.2015
Warum Ursula Weißenfels aus Hagen mit geflüchteten Frauen näht und ihnen Deutsch beibringt

In Afrika sterben viele Mütter bei einem Kaiserschnitt. Kein Wunder, dass die schwangere Frau aus Nigeria Angst vor der Geburt ihres Kindes hatte. Ich habe sie ins Krankenhaus begleitet, ihre Hand gehalten – und durfte ihr Baby dann in meinen Armen halten. Das war das Schönste, was ich bisher mit »meinen« Damen erlebt habe.

»Meine« Damen: Das sind Asylsuchende aus Nigeria, Ghana, Iran, Pakistan, China, Eritrea und Afghanistan. Wir treffen uns seit einem Jahr montags am Vormittag in der Hagener Diakonie. Angefangen hat alles mit einem Besuch bei meinem Sohn in Ulm. Er betreut als Sozialpädagoge Migranten in einem Flüchtlingsheim. Eine christliche Flüchtlingsfrau hat mich damals zu sich eingeladen. Ein schönes Erlebnis. Anschließend sagte mein Sohn zu mir: »Ich kann immer Helferinnen und Helfer gebrauchen.«

Also dachte ich: Schön, das kannst du auch. Also fing ich an, Deutsch zu unterrichten, und dabei sagte irgendwann eine Schneiderin aus Syrien: »Können wir nicht mal zusammen nähen?« So entstand der Nähkurs. Unsere erste Nähmaschine hatte ich von meiner Schwiegermutter geerbt. Weitere wurden uns gespendet. Neue sind nicht dabei – und das ist gut.

Denn unsere Schneiderin aus Ghana kennt sich mit den älteren Modellen richtig gut aus. Auch die Stoffe wurden gespendet. Und das waren zum größten Teil richtig schöne Stoffe. Jetzt schneidern wir montags Schürzen, Topflappen, Tischsets und Taschen. Einige Frauen können gut nähen, andere gar nicht. Wir helfen uns gegenseitig. Unsere Arbeiten finden guten Absatz bei Veranstaltungen und Festen. Vom Erlös kaufen wir neue Materalien.

Wir verstehen uns bestens – oft mit Händen und Füßen. Nebenbei lernen die Frauen deutsche Worte wie Unterfaden, Oberfaden, Stoff und Nadel. So wird der Nähkurs auch zur Deutschstunde. Einige lernen schnell, andere brauchen länger, weil ihnen die Sprache schwerfällt. Eine Frau aus Syrien spricht Kurdisch, Arabisch und Deutsch. Andere Kurdisch, Paschtu und Farsi. Ich selbst Englisch und Französisch.

»Meine« Frauen haben Schlimmes erlebt. Aber die Vergangenheit spielt hier erst einmal keine Rolle. In diesen zweieinhalb Stunden sollen die Frauen beim Geratter der Nähmaschinen Ruhe finden, sich entspannen, miteinander sprechen. Manchmal singen wir auch. Hin und wieder begleite ich eine zum Amt oder zu Ärzten. Oder ich versuch

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