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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Gold mit gutem Gewissen

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 04.12.2015
In ihrem Geschäft am Bodensee verkauft Jutta Werling ökofairen Goldschmuck

Das Schmuckgewerbe gehört zu den schmutzigsten Industrien der Welt. Doch das weiß kaum ein Kunde, der beim Juwelier neue Ohrringe erwirbt. Jutta Werling will es besser machen. Deshalb verkauft sie in Überlingen am Bodensee ökofaire Edelsteine und Trauringe. Seit wenigen Wochen bietet ihr Schmuckatelier Aurhen auch Goldschmuck mit Fairtrade-Siegel an. Werling zählt damit zu den Pionieren hierzulande.

»Die Nachfrage nach sauberem Schmuck steigt kontinuierlich«, berichtet die Sechzigjährige. »Die Leute wollen jetzt auch saubere Eheringe.« Dafür fahren ihre Kunden schon mal einige Hundert Kilometer, denn in Deutschland gibt es nicht viele Einzelhändler, die sich auf zertifizierten Schmuck spezialisiert haben.

Eigentlich ist Werling Geologin und Lehrerin. Als sie ihren Mann 1992 nach La Paz begleitete und dort einige Jahre lebte, beschäftigte sie sich mit dem Abbau von Gold – und war schockiert. »Golderze werden mit hochgiftigem Quecksilber vermischt. Die Verbindung, die so entsteht, gelangt in die Flüsse und damit ins Trinkwasser und wird von den Familien der Goldsucher eingeatmet«, berichtet Werling.

Heute arbeitet sie mit einer Dorfkooperative in Argentinien zusammen, in der Gold völlig ohne Quecksilber und Zyanide gewonnen wird. Auch aus zertifizierten Minen in Peru und Bolivien kauft sie Gold. »Alle von uns verarbeiteten Komponenten eines Ringes werden ohne Kinderarbeit, ohne Finanzierung von kriegerischen Auseinandersetzungen und unter strengen ökologischen Aspekten abgebaut«, betont sie.

Um die Überprüfung kümmert sich eine Zertifizierungsorganisation. Doch Werling fliegt auch selbst regelmäßig nach Südamerika, um »ihre« Minen zu besuchen.

Da Gold und Edelsteine direkt von ihren Kooperationspartnern zu ihr gelangten und es keine Zwischenhändler gibt, sei ihr Schmuck kaum teurer als konventioneller. Beim Gold müssten Kunden mit einem Aufpreis von rund vier Euro pro Gramm rechnen – bei einem Trauring seien das etwa dreißig Euro Mehrkosten.

Doch Jutta Werling weiß auch: Ihre Schmuckstücke sind ein Nischenprodukt. Edelsteinhändler und Goldverkäufer interessierten sich nur in den seltensten Fällen für fairere Bedingungen in dem Sektor.

»Ich wünsche mir, dass die Kunden aufgeklärt werden, was tatsächlich i

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