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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Prophet des Ostens

von Bettina Röder vom 04.12.2015
Der Jenaer Theologieprofessor Klaus-Peter Hertzsch ist 85-jährig gestorben

Seine Worte waren prophetisch und die Kirchen – wie immer, wenn er irgendwo sprach – überfüllt. So auch auf dem Erfurter Kirchentag 1988 unter dem Motto »Umkehr führt weiter«. Klaus-Peter Hertzsch hatte in der riesigen Predigerkirche – nicht alle hatten einen Sitzplatz gefunden – das Einstiegsreferat übernommen. Die Menschen verließen damals bekanntlich in Massen die DDR gen Westen. Doch Hertzsch warnte vor einer Illusion: Dem Weggang könne ein böses Erwachen folgen. Dass man nämlich noch immer im gleichen Zug sitze, lediglich aus dem Traglastenabteil in den Speisewagen umgestiegen sei. Der Zug aber rase in die falsche Richtung, sagte er unter dem tosenden Beifall der vor allem jungen Zuhörer.

Umkehr zum Frieden, Schalom, das stand für ihn fest, sieht anders aus. Dass genau diese Umkehr im Blick auf Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung gebraucht werde, um zu überleben, an dieser Überzeugung hielt er bis an sein Lebensende fest. Klaus-Peter Hertzsch, der geniale Theologe, der es wie kaum ein anderer vermochte, in eindrücklichen Bildern zu sprechen, ist am 25. November 85-jährig in seiner Heimatstadt Jena gestorben.

Er stammte aus einer großen Pfarrers familie, die von der Idee des »religiösen Sozialismus« geprägt war. Das hat den langjährigen Jenaer Professor für Praktische Theologie auch immer einen politischen Kopf sein lassen. Eine glaubwürdige Kirche für andere, das war seine Überzeugung, kann sich nicht heraushalten aus dem Weltgeschehen. Dabei hat er es wie kaum ein anderer vermocht, das Evangelium in die Alltagssprache zu übersetzen. Theologie war für ihn nie Selbstzweck, sondern immer Dienst am Menschen – konkret und lebensnah. »Vertraut den neuen Wegen«, das Lied, das er im Sommer 1989, als die DDR schon im Umbruch war, einer seiner Patentöchter zur Hochzeit schrieb, wurde zu einer Art Hymne der Friedlichen Revolution. Auch zu ihr hat Klaus-Peter Hertzsch wesentlich beigetragen.

»Ein Pfarrer muss erzählen können.« Mit diesem Credo hat der Hochschullehrer Generationen von angehenden Theologinnen und Theologen geprägt. »In Zeiten der Spannungen werden Bibeltexte plötzlich aus sich selbst heraus interessant«, war er überzeugt. Er selbst, der von Jugend an fast blind war und so gut wie nichts vom Blatt ablesen konnte, hatte diese Erzählungen wie auch seine unzähligen Vorträge und Vorlesungen im Kopf gespeichert. In Ost wie West bekannt geword

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