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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Der Trommler

von Norbert Copray vom 04.12.2015
Günter Grass war eine Symbolfigur des widersprüchlichen Deutschlands. Ein abtrünniger Katholik, der »gegen den Strich glaubte« und der Kirche in Hassliebe verbunden war. Nun ist sein letztes Buch erschienen: »Vonne Endlichkait«

Der Zug zum Grotesken war Günter Grass schon in seinen ersten Gedichten eigen. Und so klingt er bis zuletzt: »Mein Gott, dein Gott, unser … Soviel Anspruch auf Besitz. Am Ende der Quasselrunde nur leere Flaschen und der Kirchtürme Fingerzeig.«

Das letzte Buch »Vonne Endlichkait«, das der am 13. April verstorbene Nobelpreisträger noch fertigstellte und das nun posthum erschienen ist, lässt einen gutgelaunten Autor auf der Schwelle zum Tod erkennen, der sein Werk rund gedichtet hat. Der nochmal das Füllhorn seiner Künste vorzeigt. Und abtreten will, ehe er sich wiederholt. »Vonne Endlichkait« ist eine Collage aus Gedichten, Verszeilen, Balladen, Geschichten, tagebuchartigen Ich-Erzählungen, gekonnten Zeichnungen und Grafiken, kurzen Rückblenden und Reflexionen. Etwa über die Frage: »Worin und wo wir liegen werden« – um die Form des eigenen Sargs zu bestimmen. Für den am 16. Oktober 1927 in Danzig geborenen Günter Grass war es ein weiter Weg bis zu der Auflage von mehr als zehn Millionen, die sein Gesamtwerk bislang erreichte. Und bis zum Literaturnobelpreis, den er 1999 erhielt. Der Welterfolg seines 1959 erschienenen Romans »Die Blechtrommel«, in dem er in surrealer Bildsprache die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs beschrieb, verstellt bis heute den Blick auf den multibegabten Künstler Grass.

Ursprünglich war er Steinmetz. Grass hat in Düsseldorf und Berlin Kunst studiert, war Bildhauer und Grafiker, versuchte sich mit ersten Gedichten. Als er 1959 in der seinerzeit für die Literaturszene tonangebenden Gruppe 47 das Kapitel »Der weite Rock« aus dem Manuskript der »Blechtrommel« vorgelesen und große Zustimmung in einem Kreis sehr kritischer Kollegen erhalten hatte, wurde er sich seiner literarischen Kompetenz sicher – nicht zuletzt auch durch die Fähigkeit, seinen Text sprachgewaltig vorzutragen.

Stachelige Heimat

Bis zum neunzehnten Lebensjahr war Grass ein engagierter Katholik. So arbeitete er sich dann auch an der katholischen Kindheit ab, errang seine Identität auch mit dem Sprachmaterial der Bibel, die ihm eine stachelige Heimat war. In der »Blechtrommel« beispielsweise besucht die Hauptfigur Oskar Matzerath eine gipserne Muttergottesstatue mit Kind in der Danziger Herz-Jesu-Kirche. Erzählt Grass hier von seinem eigenen Erleben als Messdiener?

Oskar hängt dem »kochschinkenfarbenen« Jesusknaben seine Tr

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