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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

»Bomben lösen kein Problem«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 04.12.2015
Friedensforscher Johannes M. Becker über den Kampf gegen den IS und über die Bildungspolitik Frankreichs

Publik-Forum: Herr Becker, welche Folgen haben die Terroranschläge in Paris für die Syrien-Politik?

Johannes M. Becker: Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen, Syrien betreffend, auf internationaler Ebene intensiviert werden. Das würde ich mir wünschen. Um Helmut Schmidt zu zitieren: »Lieber hundert Mal ergebnislos verhandeln als ein Mal schießen.« Zu verhandeln und eine politische Lösung für Syrien zu finden ist eine absolute Notwendigkeit. Zum ersten Mal wird jetzt ins Auge gefasst, mit allen gemeinsam zu sprechen, auch Russland, den Iran und Assad ernst zu nehmen. Das ist ein großer Fortschritt.

Bisher sieht es aber eher so aus, als ob Frankreich IS-Stellungen stärker bombardiert.

Becker: Frankreichs Außen- und Sicherheitspolitik ist leider unverändert interventionistisch geprägt. Die Regierung hat nichts gelernt. Momentan profiliert sich da ein Staatspräsident, der sich in einer Legitimationskrise wähnt.

Manche warnen, in Syrien drohe ein dreißigjähriger Krieg. Was meinen Sie?

Becker: Wenn wir nicht mit der syrischen Regierung verhandeln, könnte es dazu kommen, ja. Ein ehemals blühender Staat ist schon zu beträchtlichen Teilen zerlegt worden. Aber wir haben noch eine Chance – allerdings nur mit Assad.

Wollen Sie damit sagen, Syriens Diktator sei das »kleinere Übel« im Vergleich zum IS?

Becker: Genauso sehe ich das. Ich nehme den Publizisten und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jürgen Todenhöfer sehr ernst, der schon vor Jahren sagte: Assad ist der einzige Diktator im Nahen und Mittleren Osten, mit dem man verhandeln kann. Jetzt schwenkt endlich auch der Westen auf diesen Kurs um, nicht zuletzt durch Außenminister Steinmeier dazu bewegt.

Aber Assad ist der Hauptverursacher des Krieges! Eine Mehrheit der Flüchtlinge in Deutschland sagte in Umfragen, dass sie vor Assad floh und nicht vor dem IS.

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