Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Mehr als nur schön wohnen

von Barbara Tambour vom 04.12.2015
Immer mehr Menschen sehnen sich nach einem engen sozialen Netz und guter Nachbarschaft. Eine Ausstellung in Frankfurt zeigt Beispiele gemeinsamen Bauens und Wohnens

Vorgestern war Kinoabend. Im Gemeinschaftsraum ihres Hauses im Frankfurter Ostend haben einige Bewohner gemeinsam »Wir sind die Neuen« angeschaut, die Komödie über eine hippe Studenten- und eine Alt-68er-Senioren-WG. »Wir habe viel gelacht«, erzählt Beatrix Baltabol, Bewohnerin und zugleich Architektin des Hauses an der Hanauer Landstraße nahe der Europäischen Zentralbank.

Eine Wohngemeinschaft sind die Bewohner des Hauses mit zehn Wohnungen nicht. Und doch verbindet sie ziemlich viel miteinander. Denn die Eigentümer der Wohnungen haben das 2011 bezogene Haus als Baugruppe gemeinsam gebaut, unter Federführung von Beatrix Baltabol und ihres Mannes, der ebenfalls Architekt ist. Und sie nutzen nicht nur – wie am monat lichen Kino-Abend – den Gemeinschaftsraum mit kleiner Küche zusammen, sondern auch eine Werkstatt, einen Fitnessraum im Keller und ein kleines Appartement. Vor allem aber der Garten mit großer Rasenfläche und einigen Gemüsebeeten gehört allen gemeinsam. Gerade haben die Hausbewohner ihn zusammen winterfest gemacht. Und die Meerschweinchen, die in einer Ecke des Garten zu Hause sind, gehören den drei Familien gemeinsam, die Kinder haben.

Genauso hat Beatrix Baltabol sich das vorgestellt: »Ich wollte nicht länger in einem Haus wohnen, in dem man kaum Kontakt zu den Nachbarn hat, sondern in einem Haus mit Leuten, die sich gegenseitig helfen. Das ist so wichtig, gerade wenn man vier Kinder hat wie wir.«

Wie der Architektin geht es immer mehr Menschen in den Städten und Ballungsräumen: Sie haben genug von anonymen Nachbarschaften. Sie wünschen sich ein enges soziales Netz, wollen einige Räume gemeinsam nutzen, hoffen auf Unterstützung durch andere Hausbewohner. Auf dem Immobilienmarkt sind solche Wohnungen jedoch kaum zu finden. Bauträger bauen seit Jahr und Tag entweder Reihenhaussiedlungen am Stadtrand oder mehrgeschossige Wohnblocks, überwiegend mit Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen. Und haben dabei stets die klassische Familie aus Mutter, Vater, Kind vor Augen. Dass vierzig Prozent aller Haushalte in Deutschland bereits Einpersonenhaushalte sind und die Lebensformen immer vielfältiger werden, wird von ihnen kaum berücksichtigt. »Man baut für einen Lebensentwurf, den es gar nicht mehr gibt«, stellt der Journalist Niklas Maak in seinem Buch »Wohnkomplex« fest: Der Untertitel lautet: »Warum wir andere Häuser brauchen«. Häuser, die

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen