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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Aus der Sicht von unten

von Martin Robra vom 04.12.2015
Darf eine »Kirche der Armen« Kompromisse eingehen? Eine evangelische Perspektive

Es fällt auf, dass Papst Franziskus praktisch keinen Gebrauch von Statistiken und sozial- oder wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen macht. Der Papst scheint nicht zu erwarten, dass Menschen dadurch wirklich zur Umkehr und zur Transformation des Wirtschaftssystems geführt werden (…)

Die Orientierung an der Wirklichkeit der Armen im Gegenüber zu den Diskursen wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Experten gehört zur Grundausrichtung vieler in der ökumenischen Bewegung. Schon bald nach der Formierung der Gemeinschaft der blockfreien Länder 1955 lässt sich in der ökumenischen Diskussion ein deutlicher Konflikt zwischen einer von der Wirklichkeit der Armen her argumentierenden Position der prophetischen Kritik des Wirtschaftssystems und einer besonders in der nordatlantischen Region üblichen, mit Expertendialogen entwickelten Reformperspektive beobachten (…)

Die Auseinandersetzung brach im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) sehr deutlich während der Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft 1966 in Genf auf. Theologen aus verschiedenen christlichen Traditionen unterschieden sich deutlich bei der Frage, wie stark der »Schrei der Armen« Sprache und Inhalt ihrer Stellungnahmen bestimmt oder wie sehr sie auf einen Dialog der Entscheidungsträger in Staat, Wirtschaft und Kirchen ausgerichtet waren (…)

Die prophetische Kritik richtet sich zuerst an die Kirchen selbst, während der Expertendialog Anschluss an gesellschaftliche Macht sucht, mit allen damit verbundenen Widersprüchen. Der Konflikt zwischen den zwei Grundausrichtungen bestimmt weiter die Tagesordnung der ökumenischen Bewegung. Das zeigte die Debatte um den Agape-Prozess des ÖRK und das Accra-Bekenntnis der Generalversammlung des Reformierten Weltbundes von 2004. Im Accra-Bekenntnis und dem Agape-Prozess setzte sich die Perspektive der Armen und Ausgeschlossenen durch. Es geht also um weit mehr als um politische und wirtschaftliche Alternativen. Für die Weltbund- Delegierten steht der Kern des Glaubens, das Bekenntnis zu Christus als Herrn allen Lebens, auf dem Spiel. Umso radikaler ist die Transformation des Wirtschafts- und Finanzsystems, die sie einfordern.

Diese Position wurde insbesondere von den Kirchen Europas zurückgewiesen. Viele Kirchenvertreter sahen sich nic

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