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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:
Gastkommentar

Nach dem Sturm kommt das Geschäft

von Franz Segbers vom 06.12.2013
Philippinen: Der Taifun offenbart die desolaten Strukturen eines Landes – und die Eigeninteressen der Helfer

Erst nach und nach wird das wahre Ausmaß der Zerstörungen auf den Philippinen bekannt. »Wenn Du das Ende der Welt sehen willst, dann gehe auf die Insel Leyte.« Wie unter Schock berichtete mir Vic Esclamado, Bischof einer unabhängigen katholischen Kirche auf Leyte, einer der am heftigsten betroffenen Inseln: »Wir haben alles verloren. Nicht eine Kirche, nicht eine Kapelle sind noch erhalten! Doch schlimmer als alles das: Meine Leute haben Hunger, kein Dach über dem Kopf.« Er drehte sich um, Tränen in den Augen. Fünf Tage haben die Behörden gebraucht, bis erste Hilfe kam.

Es herrscht eine geradezu gespenstische Dunkelheit auf den Inseln. Kein Licht, kein Strom. Die absolute Dunkelheit wird nur von den Rauchschwaden der kleinen Feuer erhellt, die die Menschen sich irgendwo und irgendwie machen, um sich etwas zu kochen. Wie geht es weiter? Die Menschen brauchen jetzt Holz, Nägel und Baumaterial. Doch all das ist nicht da.

Das alltägliche Leben auf den Philippinen ist für die Mehrheit der Menschen auch ohne einen Taifun schon eine Katastrophe. Der Taifun hat aber das Desaster einer neoliberalen Regierungsadministration erst richtig offenbart. Die neoliberale Ideologie, die den Staat immer weiter verschlankt und aushungert, entpuppt sich jetzt endgültig als Katastrophe. Ein funktionierender Staat, der den Menschen helfen könnte, ist einfach nicht vorhanden. Und nicht nur dies wird in diesen Tagen deutlich. Auch die Katastrophenhilfe durch das US-Militär wird immer kritischer gesehen. Immer mehr Filipinos fragen nach den Eigeninteressen der US-Amerikaner.

Am Samstag, dem 30. November 2013, wurde des 150. Geburtstages von Andres Bonifacio gedacht. Er hatte die Revolution 1898 angeführt, die spanische Kolonialmacht aus dem Land vertrieben und die erste Republik ausgerufen. Doch nur wenige Monate später intervenierten die Amerikaner, raubten den Filipinos ihre freie Republik, machten sie erneut zu einen Kolonie und ließen den Revolutionsführer Bonifacio ermorden. Zahlreiche Redner auf der Kundgebung für Bonifacio warnten davor, dass die Katastrophenhilfe der US-Regierung und die US-Truppen im Land weitergehende Absichten haben könnten. Was die US-Publizistin Naomi Klein mit dem Begriff des »Katastrophenkapitalismus« trefflich auf den Punkt gebracht hat, ist auch hier eine Gefahr: Die US-Regierung nutzt Naturkatastrophen, um über ihre Hilfe neoliberale Privatisierungen und

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