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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

»Macht die Kirche auf!«

von Thomas Seiterich vom 06.12.2013
Gemeinden in Frankfurt am Main helfen Flüchtlingen – und erfahren selbst Hilfe

Festgottesdienst am Reformationssonntag: Fünf Gemeinden aus dem Frankfurter Nordwesten feiern gemeinsam in der Kirche Cantate Domino. Da betritt ein schlanker junger Mann den Gottesdienstraum: Ola Oloukun. Der Afrikaner erzählt, dass 22 Flüchtlinge aus Afrika in Frankfurt gestrandet sind und in der Kälte unter einer Main-Brücke kampieren.

Was tun? Beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst wird diskutiert, wie man den Notleidenden helfen kann. Decken vorbeibringen? Schlafsäcke organisieren? »Macht doch die Kirche auf!«, ruft ein Mann in die große Runde. Sein Ruf wirkt wie eine Initialzündung. Die Initiative ergreifen Pfarrer Ulrich Schaffert in der Bonhoeffer-Gemeinde und Pfarrerin Sabine Fröhlich in Cantate Domino. Cantate verfügt über lange Erfahrung in der Solidarität mit Armen in Zentralamerika.

Rasch steht der Beschluss fest: »Wir helfen gemeinsam.« Von da ab muss improvisiert werden. Innerhalb weniger Stunden wird in einem Nebenraum der Kirche ein Bettenlager hergerichtet. Gemeindemitglieder bringen Matratzen, Bettzeug, Duschgel, warme Kleidung, kochen Suppe und spenden Pizza.

Die emotionale Brücke zwischen den Afrikanern und Deutschen schlägt Ola Oloukun. Der Afrikaner lebt seit 13 Jahren im Rhein-Main-Gebiet und bringt mehrere afrikanische Gemeinden zum gemeinsamen Gottesdienst nach Cantate Domino mit: »Die Männer leben seit Monaten im Freien, jetzt beginnt der Winter. Draußen bleiben, das kann nicht sein«, sagt Oloukun.

Die Welle der Hilfe reißt nicht ab: Kochteams wechseln sich ab mit der täglichen Verpflegung. Eine Homepage wird eingerichtet, auf der Hilfewillige sich informieren können. Journalisten berichten über die Frankfurter Gemeinden, die so engagiert und kreativ reagiert haben.

Bald wird klar: Im Nebenraum der Cantate-Domino-Kirche können die Flüchtlinge nicht dauerhaft bleiben. Nach zehn Tagen bietet das Diakonische Werk als neues Übergangsquartier die leerstehende und entwidmete Gutleutkirche hinter dem Hauptbahnhof an.

Auch dort packen die Hilfewilligen mit an: Ehrenamtliche beginnen mit dem freiwilligen Deutschunterricht für die Flüchtlinge. Ein Team von Freiwilligen kümmert sich um regelmäßige Mahlzeiten. Die Firma Sperrholz

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