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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2011
China global
Eine kapitalistische Diktatur erobert die Welt
Der Inhalt:

»Mitgehen bis zum Äußersten«

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Großindustrieller Entwicklungswahn gegen naturschonendes Wirtschaften. Bischof Erwin Kräutler kämpft in Brasilien für die Indios, für das Weltklima und für eine befreiende Kirche

Einem Orden mit verstaubtem Namen gehört der Träger des Alternativen Nobelpreises 2010 an. Bischof Erwin Kräutler ist ein Missionar vom Kostbaren Blut, Kirchenkürzel: ein CPPS. Kräutler bestätigt lachend: »Ja, das bin ich, mit Haut und Haaren«, und wird dann sehr ernst: »Die Spiritualität meines Ordens bedeutet für mich, immer weiterzugehen auf dem Weg in der Nachfolge Jesu Christi, bis zum Äußersten. So wie Ordensgründer Gaspare de Bufalo (1786-1837), ein Volksmissionar, auch der Räuber und Ausgestoßenen: Der saß seiner Glaubenstreue wegen unter Napoleon im Kerker.« Kräutler sagt: »Meine zentralen Bibelworte sind Johannes 13, 1: Er liebte die Seinen eis télos, bis ins Äußerste, sowie das télos-Wort des Evangelisten über den Gekreuzigten: Er hatte geliebt – bis zum Äußersten.«

Unerwartete Auskunft von einem weltbekannten Umweltschützer und Kämpfer für die Menschenrechte der Indios. Und ein ungewöhnlicher Ort, Bischof Kräutler zu treffen. Im Pullover, ohne Bischofskreuz steht der schmale Mann in der niedrigen Eingangstür seines Elternhauses im Vorarlberger Dorf Koblach. »Meine Geschwister sorgen dafür, dass ich das alte Rheintalhaus mit dem Kreuzfirst bewohnen kann, wenn ich mal in der Heimat bin«, sagt der Vorsitzende des brasilianischen Indianermissionsrates CIMI und bittet herein.

Sechs Kinder seien sie gewesen, er der Älteste. Viel Freizeit war nicht. Als Bub hat Erwin mithelfen müssen, an der mächtig breiten Stickmaschine, die den größten Raum im Erdgeschoss ausfüllt. Das Gehalt des Vaters, der an der Textilschule in Dornbirn als Lehrer arbeitete, reichte für die große Familie kaum. 1958, mit achtzehn, macht sich Kräutler auf den Weg, Priester zu werden: »Ich wollte ins Weite. Da traf es sich gut, dass Männer aus meinem Orden am Rio Xingú arbeiteten.« Ende 1965, fünf Monate nach der Priesterweihe, kommt Kräutler dort an. Größer als Deutschland, gut 368 000 Quadratkilometer groß, ist die dünn besiedelte Diözese im tropischen Urwald und Tiefland von Amazonien.

»Wenn Brasiliens Regierung sich über die Einsprüche der höchsten Gerichte hinwegsetzt und den Staudamm Belo Monte baut, geht ein Teil meiner Diözese in den Fluten unter«, sagt Krä

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