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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

Wo Journalisten extrem wichtig sind

von Bettina Röder vom 23.11.2018
Afghanistan: Der Redakteur Lotfullah Najafizada über die Bedeutung freier Medien und die Macht der Taliban

Publik-Forum: Herr Najafizada, Sie sind Direktor des größten Nachrichtensenders TOLO news in Afghanistan. Unter welchen Bedingungen arbeiten Sie?

Lotfullah Najafizada: In den vergangenen drei Jahren sind dreißig meiner Kollegen umgekommen. Den größten Verlust hatten wir vor gut zwei Jahren, als sich ein Selbstmordattentäter neben einem Bus mit Mitarbeitern unseres Fernsehsenders in die Luft sprengte. Er tötete acht junge Kollegen, die für ein modernes weltoffenes Afghanistan standen, wie es sich in den größeren Städten seit dem Sturz der Taliban vor 14 Jahren entwickelt hat. Für uns steht darum fest, dass wir nichts ändern an der Art und Weise, wie wir arbeiten.

Werden Sie auch direkt in den Redaktionen bedroht?

Najafizada: Nein. Es gibt keine direkten Drohanrufe seitens der Taliban. Aber wenn Sie sich auf der Straße bewegen, müssen Sie befürchten, auch Ziel von gezielten Anschlägen zu sein. Ich selbst habe Personenschutz. Zweimal im vergangenen Jahr mussten wir in Provinzen Korrespondentenbüros schließen, weil uns der sogenannte Islamische Staat gedroht hat.

Was treibt Sie trotz allem an, in Afghanistan Journalist zu sein?

Najafizada: Gerade in einem Land, in dem die Bevölkerung so lange unterdrückt worden ist, ist die Arbeit von Journalisten extrem wichtig. Endlich gibt es die Möglichkeit, der Bevölkerung eine Stimme zu verleihen. Die Sehnsucht nach Freiheit und Demokratie ist groß. Dazu gehört unbedingt eine freie Presse.

Immer wieder werden Menschen aus Deutschland in das umkämpfte Land abgeschoben. Organisationen wie pro Asyl protestieren dagegen. Die Bundesregierung aber sagt, es gebe sichere Gegenden in Afghanistan. Stimmt das?

Najafizada: Die Situation in Afghanistan hat sich in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert. Die Regierung kontrolliert nur vierzig Prozent des Landes. Sie ist auch nach den Wahlen vom 20. Oktober geschwächt. Alle hoffen nun auf die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. Es gibt ein Patt zwischen den Taliban und der Regierung.

Es gibt Stimmen, die sagen, die Taliban müssten in den Friedensprozess einbezogen werden. Was halten Sie davon?

Najafizada: Es gibt keine m

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