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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Sehr geehrte Anleger,

wir freuen uns, dass Sie sich nach lukrativen, aber sicheren Anlagemöglichkeiten erkundigen. Nun kann ich Ihnen mitteilen, dass die Finanzaufsicht eines unserer vielversprechendsten Börsenvorhaben genehmigt hat. Am 1. Dezember wird das »Armutsrisiko Deutschland« als Unternehmen an die Börse gehen.

Wie Sie wissen, wurde das Armutsrisiko Deutschland als Unternehmen in den 1990er-Jahren gegründet. Seither hat es eine stabile Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen, in den letzten Jahren sogar mit zweistelligen Wertsteigerungen. Und wir glauben, dass sich diese Entwicklung weiter beschleunigen wird. Steigende Mieten treiben sogar den Mittelstand in die Armut. Rasant wachsende Energiepreise treffen die, die noch immer günstig wohnen. Und wenn die digitale Revolution erst einmal Millionen Verwaltungsangestellte arbeitslos und ein Heer von Zuarbeitern zu prekären Tagelöhnern gemacht hat, dann wird das Armutsrisiko immer höher.

Deshalb hat sich ein Konsortium aus Deutsche Bank, Commerzbank und Staat vorgenommen, die »Armutsrisiko Deutschland AG« an die Börse zu bringen. Denn warum sollen deutsche Anleger nicht vom wachsenden Armutsrisiko in diesem Land profitieren? Andere haben vorgemacht, wie es geht. Amerikanische Geierfonds konnten Pleiteunternehmen in Lateinamerika ausschlachten und mit hohen Gewinnen verscherbeln. US-amerikanische Banken profitierten vom Crash unzähliger Hausbesitzer nach der Finanzkrise. In Europa wurden Spekulanten reich, indem sie Wetten auf die Staatspleite Griechenlands verkauft haben! Wie viel zuverlässiger sind da Wetten darüber, dass das Armutsrisiko in Deutschland steigen wird. Die Preise für solche Wetten werden durch die Decke gehen – und Sie können von den Wertsteigerungen