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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

Europas Schandfleck

von Chrissi Wilkens, Salinia Stroux vom 23.11.2018
Lesbos, Samos, Chios, Leros, Kos: Auf den Ägäis-Inseln harren Tausende Flüchtlinge aus – und jetzt kommt der Winter

Lesbos, im Flüchtlingslager Moria: Vor den Sanitäranlagen stehen die Menschen Schlange. Es gibt viel zu wenig Toiletten, Duschen und fließendes Wasser für die vielen Menschen. Frauen sammeln Äste, um Feuer zu machen zum Kochen. Männer kaufen Holzpaletten für drei, vier Euro das Stück und schieben sie unter die dünnen Sommerzelte, um sie wenigstens ein bisschen vor Wind und Regen zu schützen. Neuankömmlinge hoffen, dass sie dringend benötigte Winterkleidung abbekommen. Aber wann dazu anstehen? Um ihre drei Mahlzeiten abzuholen, verbringen sie oft den ganzen Tag in der Schlange. Für einen Besuch beim Arzt stehen sie wieder Schlange. Und dann für Medikamente. – Diese Szenen erinnern an die riesigen Flüchtlingslager in der Dritten Welt, doch sie spielen sich in der EU ab, in Griechenland.

Viele Flüchtlinge, die dort gestrandet sind, beschreiben ihre Lage schlicht mit dem Wort »unmenschlich«. Schätzungsweise 70 000 Flüchtlinge leben in Griechenland. Viele von ihnen stecken in den sogenannten Hotspots der Ägäis-Inseln fest: auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos. Derzeit werden dort mehr als 16 500 Menschen festgehalten – in Lagern, die für rund 6400 Menschen ausgelegt sind.

Grund dafür ist auch das umstrittene Abkommen der EU mit der Türkei vom März 2016. Es sieht eine Residenzpflicht vor. Das bedeutet, dass Migranten, die auf den Ägäis-Inseln ankommen, diese nicht so einfach verlassen dürfen. Nur Menschen, die registriert wurden, deren Asylgesuch als zulässig anerkannt und die als besonders schutzbedürftig eingestuft wurden, dürfen auf das griechische Festland weiterreisen. Alle anderen müssen warten, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Und das kann dauern. Eigentlich sollten die Hotspots als Registrierungszentren dienen und die Menschen maximal 72 Stunden bleiben. Wegen der langwierigen Verfahren harren die meisten jedoch zu dieser kalten Jahreszeit in Sommerzelten aus – zwischen Müll und Abwasser mit ungewisser Zukunft. Genau wie im vergangenen Jahr. Und im vorvergangenen.

Sind Nothilfegelder versickert?

Drei Jahre nach dem langen Sommer der Migration 2015, in dessen Folge der Balkankorridor im Winter 2015/2016 geschlossen wurde, kämpfen die nun Festsitzenden täglich um ein würdiges Überleben – in einem von der Wirtschaftskrise gebeutelten Land. Dort eine Arbeit zu finden ist schwer, selbst Hunderten Griechen und Griechinnen

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