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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

WAS MIR DIE REFORMATION BEDEUTET: Verbannt ins Land der Unrast

Wenn ich als buddhistische Meditationslehrerin auf meine badisch-katholischen Wurzeln zurückblicke, kommt mir ein Satz meiner Mutter in den Sinn: »Mir lebe nit zum Schaffe wie unser schwäbische Verwandtschaft, mir schaffe, damit mir lebe kenne.« Auf Hochdeutsch: »Wir leben nicht zum Arbeiten, wir arbeiten, um zu leben.« Das war ihr Motto.

Max Webers Begriff »innerweltliche Askese« bringt für mich die etwas anstrengende protestantische Haltung auf den Punkt. Auf Schwäbisch heißt das dann: »Schaffe, schaffe, Häusle baue, nur nit nach de Mädle schaue.« Eigentlich wollten die Reformatoren die Menschen von ihrem Sündenbewusstsein befreien. Sie erhöhten aber nur den Druck auf die Einzelnen, da die Menschen nun ohne tröstende Rituale allein mit ihrem schlechten Gewissen vor Gott standen. Kein Gebet, kein Ablass und keine guten Werke konnten von Stund an das Sündenbewusstsein mehr lockern. Man war abhängig von der unbeeinflussbaren Gnade Gottes und lebte ohne Heilsgewissheit. Da das Leben als einsames Individuum schwer ist, können hohe Ideale vielleicht ein bisschen aufmuntern und Schwung geben. Gepaart mit Sündenbewusstsein entsteht daraus allerdings eine fast unaushaltbare Spannung. Diese prädestiniert für Leistungsbereitschaft – und macht Ausruhen verdächtig und schwierig.

Wir können die überzogene Leistungsbereitschaft vielleicht nur lockern, wenn wir die Geschichte von Kain und Abel besser verstehen. Gott nahm die Gaben des heiteren Jägers und Sammlers Abel gerne an und lehnte die Gaben des frommen und arbeitsamen Kain ab, ja, er verbannte ihn sogar ins Land Nod, was Unrast heißt. Kain gilt als Stammvater aller Ackerbauern und Städter, für die das rechte Leben aus Arbeit besteht. Diese Geschichte spiegelt