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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

Sprachlos in Moskau

von Brigitte Lehnhoff vom 24.11.2017
Ein Treffen der russisch-orthodoxen Kirche und der evangelischen Kirche zeigt vor allem eins: Unverständnis

Dialoge, so heißt es im Duden, sind Gespräche, die zwei Interessengruppen führen, um die gegenseitigen Standpunkte kennenzulernen. Möglichst mit der Absicht, Gemeinsamkeiten zu finden. Auf die jüngste evangelisch-orthodoxe Begegnung im Moskauer Danilow-Kloster traf dies nur einmal zu, als es um eine für beide Kirchen existenzielle Frage ging: Wie können wir die Menschen von heute erreichen? Vladimir Legoyda, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Moskauer Patriarchats, setzt seine Hoffnung ganz auf soziale Medien: »Dort müssen wir präsent sein.« So bemühe man sich um Kontakt zu Bloggern, lade sie ein, zum Beispiel über die tägliche Arbeit in einem Kinderhospiz zu berichten. Gehen die Internet-Tagebuchschreiber darauf ein, seien sie wertvolle Multiplikatoren. Denn Hunderttausende junge Menschen, die mit Kirche sonst nichts am Hut haben, lesen diese Beiträge. Aber, so die Gegenfrage des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, darf man das Zeugnis einfach so als Missionsstrategie nutzen? Das war es dann schon mit der theologischen Auseinandersetzung. Alle anderen Themen entwickelten sich mehr oder weniger zu Monologen, in denen beide Seiten ihre Sicht der Dinge vortrugen und vor allem Unterschiede betonten.

Anlass der Einladung nach Moskau war der 100. Jahrestag der Oktoberrevolution von 1917. Sie hatte einer Terrorherrschaft den Weg geebnet, der Tausende orthodoxe Priester, Nonnen und Mönche zum Opfer fielen. Die Bolschewisten löschten auch das evangelische Leben in Russland weitgehend aus, das bis auf Zar Peter den Großen (1672-1725) zurückreicht. Um gut qualifizierte Arbeiter aus Deutschland und Holland anzuwerben, erließ dieser ein Toleranzedikt und reiste 1721 sogar persönlich nach Wittenberg. Anschließend ordnete er nach dem Vorbild der evangelischen Synoden die Spitze der russisch-orthodoxen Kirche neu. 1832 verlieh Zar Nikolaus I. der evangelisch-lutherischen Kirche in Russland eine Kirchenordnung, in der er sich selbst – nach landeskirchlichem Vorbild – zum höchsten Oberhaupt (summus episcopus) einsetzte. Die Religionsverfolgung durch Stalin liquidierte evangelische Pfarrer und drängte die Gläubigen in den Untergrund. 1938 wurde die letzte lutherische Kirche in Moskau geschlossen.

Seit 1959 pflegen die evangelische Kirche in Deutschland und d

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