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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

Endlich aus dem Schatten treten

von Thomas Seiterich vom 24.11.2017
Coping International – Vincent Doyle hat eine weltweite Initiative von und für Priesterkinder ins Leben gerufen

Diese Menschen würde es gar nicht geben, wenn sich ihre Väter an das katholische Zölibatsgesetz gehalten hätten. Und doch gibt es seit Einführung und Durchsetzung des Zölibats im römischen Teil der katholischen Weltkirche in jeder Generation auch Priesterkinder. Nicht bloß in den materiell reichen Kirchen Deutschlands und Österreichs, sondern in jeder Region der Erde, in der die Kirche präsent ist. Dennoch sind Priesterkinder bis heute ein Tabu. Sie sind derart unerwünscht, dass sie meist totgeschwiegen werden. Folglich gibt es keine zuverlässigen Zahlen, nur vage Schätzungen. Diese sind jedoch mit Vorsicht zu lesen, denn sie werden häufig von widersprüchlichen Interessen beeinflusst. Allein in Deutschland, so die Vermutung, rechnet man mit rund 3000 Kindern von Priestern.

Paragraph 277 des Gesetzbuches Codex Iuris Canonici gebietet den römisch-katholischen Priestern, »vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen«. Paragraph 599 ordnet an, Ordensleute haben »die Verpflichtung zu vollkommener Enthaltsamkeit im Zölibat«.

Doch nun hat Vincent Doyle das Verdrängen und Verschweigen satt. Der 34 Jahre alte Priestersohn aus Irland hat die Internetplattform Coping International gegründet. Im Unterschied zu bereits bestehenden Initiativen agiert diese Selbsthilfegruppe weltweit und versucht, betroffene Frauen, Männer und Kinder miteinander zu vernetzen. Doyle, von Beruf Psychotherapeut, teilt das Schicksal von vielen Priesterkindern: Jahrelang wurde er getäuscht und angelogen. Erst nach dem Tod seiner Mutter hatte er erfahren, dass sein Patenonkel, ein Priester, den er bislang für einen guten Freund der Familie gehalten hatte, auch sein leiblicher Vater ist. »Um mit diesem Schlag fertigzuwerden gründete ich Coping International«, sagt Doyle. To cope bedeutet »bewältigen«, »mit der Situation fertig werden«. Genau darum geht es Doyle: Kämpfen, auf die Verantwortlichen zugehen, nicht länger still zu leiden und bei dem zugefügten seelischen Schmerz zu verharren. Der Begriff Coping werde, so erklärt Doyle, auch bei der Therapie von Missbrauchs- und Gewaltopfern verwendet. Doyle zeigt sich zuversichtlich, dass er für die Priesterkinder etwas erreichen kann. Schließlich führt er seine Ein-Mann-Bewegung »innerhalb der Kirche, also nicht als ein Kritiker von außen, sondern als überzeugter Katholik«.

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