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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

Unterwegs im Reich der Kim-Dynastie

von Gunnar Leue vom 24.11.2017
In Nordkorea dürfen Touristen keinen Schritt alleine tun. Doch es gibt trotzdem viel zu entdecken. Ein Reisebericht

Nordkorea – die ganze Welt spricht darüber, aber kaum jemand war mal dort. Doch wer sich aufmacht, wird schon durch die Hinweise des Reiseanbieters auf das eingestimmt, was ihn erwartet: keine sexuellen Inhalte auf dem Handy, das bei der Einreise kontrolliert wird. Und auf keinen Fall im Flugzeug die ausliegende »Pjöngjang Times« wegwerfen oder knicken! Nur rollen! Wegen der Fotos von Kim Jong-un. Nach der Landung heißt es beim Einreise-Check: Bücher-, Zeitungs- und Handykontrolle. Das hat Diktatur-Appeal. Dennoch reisen rund 6000 Touristen jedes Jahr nach Nordkorea. Viele von ihnen haben ein ernsthaftes Interesse an dem Land, das es aufgrund seines Personenkults, der Verbindung von extremer Führerhingabe und knallharter Repression gegen die Bürger zu unrühmlicher globaler Popularität gebracht hat. Von der Militarisierung ganz zu schweigen.

Selbst im Staatszirkus in Pjöngjang ist sie allgegenwärtig. Gleich zu Beginn meiner Reise kann ich mich davon überzeugen. Als die Artisten in die Manege einlaufen, ist das zunächst eine atemberaubende Show, wie man sie in der westlichen Zirkuswelt kaum noch findet. Doch während die jungen Damen und Herren riskant durch die Lüfte wirbeln, flimmern über einen riesigen Bildschirm im Hintergrund Bilder von sozialistischen Produktionsbetrieben. Auch eine Rakete startet dort. Den abschließenden Höhepunkt der Zirkusvorstellung bildet die Nummer eines Artisten, der im Stile einer Rakete weit durch die Luft fliegt und mit den Füßen auf den Schultern eines Kollegen landet. In dem Moment beginnt auf der Leinwand Geballer aus allen Rohren: Raketen, Stalinorgeln, Panzer.

Reisen mit Rundum-Bewachung

Durch den Saal fegt eine Applauswelle. Die ausländischen Zuschauer wirken – vorsichtig ausgedrückt – irritiert. So wie Herwig Porada, 50, der mit seinem Freund Peter Matten, 46, zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Tage als Tourist in Nordkorea hinter sich hat. Später sagt er: »Ich wollte mir vor Ort ein Bild von Nordkorea machen, und das konnte ich, auch wenn wir nur einen kleinen Ausschnitt mitbekamen.« Touristen dürfen keinen Schritt alleine tun, staatliche Bewacher sind stets mit dabei. Wer sich dennoch zur Reise aufmacht, nimmt Kleinigkeiten umso genauer wahr.

Das sich als sozialistisch verstehende Nordkorea, 1948 nach der Befreiung von Japan als Republik ausgerufen, geht einen autokratischen, nationalistischen

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