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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

Arbeiten, bis der Arzt kommt

Die »Wirtschaftsweisen« wollen das Arbeitszeitgesetz aushebeln und die Nachtruhe verkürzen. Das ist nicht weise, sondern zerstörerisch

Deutsche Arbeitnehmer gehen morgens um acht ins Büro und lassen um 16 Uhr den Griffel fallen. Dieses weltfremde Zerrbild scheinen die fünf »Wirtschaftsweisen« bei der Erstellung ihres aktuellen Jahresgutachtens an die Wand gemalt zu haben. Denn sie fordern die Politik allen Ernstes dazu auf, das Arbeitszeitgesetz weiter auszuhebeln und die Arbeitszeit »vor dem Hintergrund der Digitalisierung zu flexibilisieren, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu gewährleisten«. Der Achtstundentag, der bisher maximal auf zehn Stunden ausgeweitet werden darf, sei »veraltet«, behauptet der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Stattdessen solle allenfalls die maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden weiter gelten. Auch die vorgeschriebene Pause zwischen zwei Arbeitstagen müsse von elf auf neun Stunden verkürzt werden. Die FDP hat sich diese Forderungen bereits zu eigen gemacht und will sie in die Koalitionsverhandlungen einbringen.

Dabei ist die extreme Flexibilisierung der Arbeitszeit in Deutschland ja längst Realität: Zeiterfassung, Gleitzeitregelungen, Homeoffice, Handys und Laptops, Telefon- und Skypekonferenzen sorgen allenthalben dafür, dass Mitarbeiter an jedem Ort rund um die Uhr für ihre Arbeitgeber bereitstehen können – und oft auch müssen. Unter diesen Bedingungen ist die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes nur noch schwer zu kontrollieren und wird tatsächlich oft unterlaufen. Seinen Sinn hat es aber heute mehr denn je.

Laut aktuellem Mikrozensus arbeiten derzeit gut 4,1 Millionen Menschen an Sonntagen, 2,7 Millionen gehen auch nachts zur Arbeit. 2016 wurden in Deutschland bereits 1,8 Milliarden (!) Überstunden geleistet – d