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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

Liebe zu den kleinen Dingen

Arundhati Roy schuf einen magischen Realismus indischer Prägung. Nach zwanzig Jahren erschien nun ihr zweiter Roman

Arundhati Roy ist nicht nur eine der bekanntesten Intellektuellen und politischen Aktivistinnen Indiens – in erster Linie ist sie eine begnadete Autorin. 1961 in Kerala geboren, stammt Roy aus einer christlich-hinduistischen Familie, ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie zwei Jahre alt war. Sie studierte Architektur, fing an zu schreiben, verfasste Drehbücher und arbeitete nebenher als Aerobic-Lehrerin. Sie hat mehrmals geheiratet. Mit ihrem ersten Roman, »Der Gott der kleinen Dinge«, 1997 erschienen, wurde sie schlagartig berühmt. Der Erfolg des Romans, der autobiografische Züge trägt, liegt vor allem in seinem literarischen Stil begründet; Arundhati Roy schuf darin eine Art magischen Realismus indischer Prägung. Noch im gleichen Jahr erhielt sie für den Roman den Booker Prize, die höchste literarische Auszeichnung Großbritanniens. Auch kommerziell wurde »Der Gott der kleinen Dinge« ein Riesenerfolg: Es ist das bisher am meisten verkaufte Werk eines indischen Autors. Innerhalb kürzester Zeit wurde das auf Englisch verfasste Buch in 38 Sprachen übersetzt, allerdings in keine einzige indische Sprache. Das Thema Liebe wurde bis dahin in der Literatur des Subkontinents eher in einer blumigen Sprache abgehandelt, die die Härten des vom Kastensystem geprägten Landes ausblendet.

Ganz anders »Der Gott der kleinen Dinge«; seiner Wucht kann man sich kaum entziehen. Erzählt wird die Geschichte der Zwillinge Rahel und Estha und die Tragödie ihrer wohlhabenden christlichen Familie in dem kleinen Ort Ayemenem im südindischen Kerala. Die Mutter der Zwillinge verliebt sich in einen Unberührbaren, alles kommt ans Licht, der Mann wird erschlagen. Originelle Sprachbilder, wie etwa »grell glitzerndes Sonn