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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2017
Der große Schwund
Warum so viele Insekten und Vögel sterben
Der Inhalt:

Streitfragen zur Zukunft: Weihnachten feiern – auch ohne Jesus?

von Matthias Morgenroth vom 24.11.2017
Ja, es geht auch ohne Krippe. Aber voll muss sie sein.

Advent ist im Dezember, sagen die Kirchen mit anklagendem Unterton. Ist es das wirklich? Der Weihnachtsmann ist des Teufels, legt das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken nahe, wenn es eine weihnachtsmannfreie Zone ausruft. Man verkauft lieber Schokomänner mit Bischofsmütze, echte heilige Nikoläuse, der war schließlich ein Kirchenmann. Solcherlei Revierkämpfe gehören schon seit Jahrzehnten dazu, sie sind gewissermaßen Bestandteil des Weihnachtsbrauchtums. Doch geht es in der Weihnachtszeit wirklich darum?

Kirchen und kirchliche Verbände weisen klagend, ja anklagend darauf hin, all das, was den Weihnachtsfestkreis schön festlich-besonders macht, sei nicht echt, sei kitschig, kommerzgesteuert, nebensächlich und grundfalsch. Im Grunde illegitim. Als ob es erst Weihnachten werden könnte, wenn am 24. Dezember abends die biblische Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium verlesen wird, natürlich – wo sonst – im Gottesdienst. Und viele, die sich in den Kirchen für ein »reines« Weihnachten engagieren, merken dabei nicht, dass sie sich selbst ins Abseits manövrieren …

Sind denn all die Leute – die weit überwiegende Mehrheit, übrigens auch die weit überwiegende Mehrheit der Kirchenmitglieder – illegale Weihnachtsfeierer, tumbe, ferngesteuerte, geistlose, kitschverfallene Konsumenten? Advent ist nicht nur im Dezember, die vielen Leute, die lange vorher schon Lebkuchen essen, beweisen es. Der Weihnachtsmann und seine Gesellen, die Engelchen und Pelzmärtel, die Weihnachtswichtel und Christkinder, sie sind kein kapitalistisches Teufelswerk, die vielen Kinderaugen können es bezeugen, die leuchtend mit und in den Geschichten leben, aus denen diese Grenzgänger aus Fantasie, Zuckerwerk und Religion entsprungen sind. Sich Geschenke ausdenken, kaufen und verschenken ist nicht nur unendlich mühseliger Stress, nervenaufreibende Zeitverschwendung (und wahrscheinlich Sünde), es ist die Aufgabe, sich mit seinen Lieben zu beschäftigen.

»O Tannenbaum« zu hören und sich an früher zu erinnern ist nicht überflüssiges Beiwerk, das lieber durch eine gute Predigt ersetzt werden sollte. Nein. Weihnachten ist viel mehr als das, was viele amtliche Theologinnen und Theologen glauben. Angesichts des oben beschriebenen kirchlichen Jammerbrauchtums könnte man sogar vermuten: Weihnachten ist aus den Kirchen ausgewandert. Weil die sich dem echten Fest verweigern.

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