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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2015
Der Inhalt:

Suche nach der Glut

von Thomas Seiterich vom 20.11.2015
Wie lassen sich heute Menschen für das Evangelium begeistern? Fragen an den Theologen Christian Hennecke

Publik-Forum: Weshalb gehen Menschen heute noch in die Kirche?

Christian Hennecke: Aus anderen Gründen als in früheren Generationen. Damals war das »Man müsste«, »Man sollte« mächtig. Es gab oft einen gesellschaftlicher Druck. Dieser ist heute in den Städten, ja nahezu überall im Land nicht mehr vorhanden. Menschen von heute sind dadurch gekennzeichnet, dass sie wach und sensibel ihren Interessen nachgehen. Sie sind sehr bewusste Wahrnehmer dessen, was sie brauchen. Dementsprechend handeln sie und besorgen sich, was Ihnen guttut. Wer also heutzutage in die Kirche geht oder am Gottesdienst teilnimmt, kommt, weil er dort etwas erhält, was er für sein inneres Leben braucht. Er oder sie handelt aus einer freien Entscheidung heraus. Nur ein kleinerer Teil der heutigen Gottesdienstbesucher kommt noch aus Konvention, Nostalgie oder Verpflichtung gegenüber der Gemeinde.

Was folgt hieraus für die Gemeinden?

Hennecke: Diese von Grund auf veränderte Motivationslage hat große Folgen, die tief in das Selbstverständnis der Gemeinden reichen. Diese haben es heute mit anderen Leuten zu tun. Wenn jemand gefunden hat, was er suchte und es vielleicht gar nicht selbst im Vorhinein formulieren konnte, dann bleibt er dabei und engagiert sich auch auf seine Weise.

Was sollen die Ortsgemeinden leisten?

Hennecke: Sie sollen möglichst lebendige Gemeinden sein. Das hat nichts mit der großen oder kleinen Zahl derer zu tun, die den Weg dieser Gemeinde mitgehen. In meinem Bistum Hildesheim ist praktisch überall Diaspora. Es gibt kein tragendes Milieu, gibt keine mehrheitlich katholischen Gegenden. Doch die Leute, die vor Ort in der häufig an Zahl kleinen Gemeinde mitleben, die erfahre ich in der Regel als sehr energetisch. Die Begegnung mit diesen Menschen in den Gemeinden gibt Kraft. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass die Ortsgemeinden eine Faszination für Außenstehende ausstrahlen.

Gemeinde und Energie scheint auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombina tion.

Hennecke: Wenn ich Gemeinde energetisch betrachte, gelange ich zu einer großen Vielfalt an Formen und sozialen Orten. Wo das Evangelium bei den Leuten ankommt, wo es Frucht bringt – das allein zählt. Das ist kostbar, darauf kom

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