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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2015
Der Inhalt:

Freies Netz für alle

von Bernd Müllender vom 20.11.2015
Die Initiative »Freifunk« versorgt Flüchtlingsunterkünfte bundesweit mit Internetzugängen. Und fordert ein Menschenrecht auf Kommunikation

Christoph Pomaska ist meistens dabei, wenn die Freifunker in Aachen einen Internetzugang für Flüchtlinge installieren. »Sehen uns die Flüchtlinge mit unseren Taschen, den Routern und vielen Kabeln ankommen«, sagt der 17-Jährige, »freuen sie sich sehr.« Mit einigen habe er ein paar Worte auf Englisch geredet. Doch sowie die Internetverbindung stehe, hätten die meisten ihre Smartphones gezückt und losgelegt.

Christoph ist Schüler am Aachener Kaiser-Karls-Gymnasium. »Technikaffin« nennt er sich. Er gehört zur Aachener Freifunk-Initiative, die derzeit ehrenamtlich viele Flüchtlingsunterkünfte mit freiem WLAN ausrüsten. Denn obwohl Internet und Smartphones für Flüchtlinge so wichtig sind, um mit Verwandten Kontakt zu halten oder online Deutsch zu lernen, ist kaum eine Flüchtlingsunterkunft mit einem Internetzugang ausgestattet. »Die müssen sich teure SIM-Karten kaufen, die schnell leer sind«, sagt der 17-Jährige.

An diesem Abend sitzt Christoph in einem Café in Aachen beim wöchentlichen Freifunker-Treff. Mit einem Interessierten diskutiert er detailklein über die Technologie und hämmert dabei abwechselnd auf sein Smartphone und Notebook: »… habe mir gerade einen Server in den Niederlanden zugelegt … so kann ich der deutschen Vorratsdatenspeicherung entgehen.«

Die Freifunk-Communitys sind ein Zusammenschluss von Computer-Nerds, Programmierern und Netzspezialisten. In etwa 250 Städten und Kreisen ist Freifunk in Deutschland aktiv, mit bislang gut 20 000 Zugängen. Freifunk will freies WLAN für alle, Netzzugang als eine Art Menschenrecht. Credo: »Wir verstehen frei als öffentlich zugänglich, nicht kommerziell, im Besitz der Gemeinschaft und unzensiert.« Damit steht die Initiative in vielem dem Chaos Computer Club nah, der ein Menschenrecht auf weltweite ungehinderte Kommunikation fordert.

Um die zu erreichen, richtet Freifunk Hotspots ein: Jeder, ob Einzelperson, eine Verwaltung oder eine Kneipe, kann an den eigenen Router ein Zweitgerät zuschalten. Darüber kann dann jeder Dritte unentgeltlich ins Netz. Eigener Qualitätsverlust ist ausgeschlossen, auch eine Haftung.

Aachen ist eine Hochburg der Freifunker. Aus dem Umfeld der Technischen Hochschule gibt es viele engagierte Leute, die Stadt kooperiert. Nachbarn von

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