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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

»Doch wir dürfen weinen«

In der Trauer um seinen Sohn findet Reinhard Mey zu einer bewegenden Poesie des Sterbens. Ein Konzertbesuch

Berühmt sind vor allem seine lustigen Lieder. Die »Schlacht am kalten Büffet«, die »Diplomatenjagd« und »Der Mörder ist immer der Gärtner« sind so oft im Radio rauf- und runtergelaufen, dass sie als feststehende Redewendungen ins deutsche Sprachgut eingegangen sind. Doch der Mann, der in in diesem Herbst wieder mit seiner Gitarre durch die Konzerthallen des Landes tourt, klampft nur noch selten lustige Lieder. Reinhard Mey singt von Abschied und Loslassen, von lebenslanger Liebe, von einer »Wunde, die nicht heilt«. Und gerade das beseelt das Publikum noch tiefer, als seine intelligenten Albernheiten es bisher vermocht haben.

Der Barde ist inzwischen 71, seine Haare sind weiß geworden, und doch ist Reinhard Mey noch immer der beliebteste Chansonnier in Deutschland. Nur in linken Kreisen hat er wenig Anerkennung gefunden. Obwohl er vor fünfzig Jahren bei den legendären Liedermacherfestivals auf Burg Waldeck auftrat, zusammen mit revolutionären Kollegen wie Hannes Wader, wurde er später oft naserümpfend als »bürgerlich« und »Künstler für die breite Masse« eingeordnet. Aber vielleicht lag das auch nur an dem großen Erfolg, der ihn bald aus der linken Nische hinausgespült hatte.

Dabei ist Reinhard Mey zeitlebens ein politischer Künstler geblieben: Er sang gegen das Wettrüsten im Kalten Krieg und teilte den Militärs auf musikalischem Wege mit, dass er ihnen seine Söhne »nicht als Kanonenfutter« überlassen werde. Er reimte und komponierte gegen die Bildzeitung (»Was in der Zeitung steht«) und die Massentierhaltung (»Die Würde des Schweins ist unantastbar«). Er beklagte die Isolation der Menschen in der DDR, als sich die meisten anderen Westler längst damit abgefunden hatten: »Ich w