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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
Der Inhalt:

Ankommen dürfen und verstanden werden

von Sylvia Meise vom 22.11.2013
Das Frankfurter Projekt »Erste Schritte« setzt auf Integration von Geburt an – unter dem Motto: Verstehen statt Belehren

Wie gestrandet fühlte sich die schwangere Sumi im fremden Deutschland. Zwar konnte sie mit ihrem Freund zusammen sein, aber die Familie in Korea war weit – und noch dazu lief das Visum ab.

»Das war furchtbar. Außerdem verstand ich ja kein Wort Deutsch! Zum Glück habe ich dann die Gruppe gefunden«, erzählt die 28-Jährige, und ihr Pferdeschwanz wippt munter. »Die Gruppe« nennt sie das Angebot des Frankfurter Integrationsprojekts Erste Schritte, eine Art Elternschule speziell für junge Mütter mit Migrationshintergrund. Dieses Projekt des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts will die soziale Integration und die Entwicklung von Kindern stärken. Insgesamt nehmen rund 130 Frauen mit 150 Kindern an den Gruppen teil. Betreut werden sie von je zwei Leiterinnen mit Migrationserfahrung. Die jungen Mütter sollen sich so geborgen fühlen, dass sie dort Hilfe suchen, wenn es Probleme mit Baby, Familie oder Institutionen gibt.

Anderthalb Jahre sind vergangen, seit Sumi zum ersten Mal den Zweckbau am Frankfurter Innenstadtring betreten hat. Von außen wenig einladend, ist drinnen ein gemütlich buntes Nest vorbereitet. Die Australierin Liz Holland erklärte ihr damals, wo und wie man in Deutschland heiraten kann und welche Formalitäten nach einer Geburt zu erledigen sind. Für die Verlängerung des Visums ging sie sogar mit zur Behörde. »Eigentlich nicht unsere Aufgabe«, betont Liz Holland, doch sie weiß, wie man sich mit einem Baby im fremden Land fühlt: »Es ist verunsichernd. Egal, welche Ausbildung die Frauen haben, plötzlich kommen sie sich wie kleine Kinder vor.«

Diese Erfahrung machte auch Luz aus Argentinien, die ihrer Liebe nach Deutschland folgte und mit dem heute zweijährigen Lucas nach der Geburt allein zurechtkommen musste, weil der Vater für ein Jahr nach Osteuropa auf Montage ging. Oder Teresa aus Ghana – sie hat frühzeitige Wehen und ist froh, hier in der Runde Verständnis und ein wenig Ruhe zu finden. Ihr anderthalbjähriger Sohn Tom klammert sich umso mehr an sie, je näher der Geburtstermin rückt. Obwohl sie sich schonen, sogar liegen soll, übernimmt ihr Mann nichts von der Hausarbeit. Aisha aus Afghanistan konnte lange nicht kommen, weil sie keinen Kinderwagen hatte – Liz Holland hat zusammen mit ihrer Kollegin, der Iranerin Nasim Ghaffari, einen besorgt.

Die zweistündigen Treffen verlaufen nach einem fast liturgisch

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