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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2012
Leben gegen die Angst
Die Gesellschaft ist gelähmt. Doch die Kirchen nutzen ihre Kraft nicht
Der Inhalt:

Überall weiße Elefanten?

von Tilman Vogt vom 23.11.2012
Entwicklungshilfe konserviert die Armut, behauptet der Film »Süßes Gift«. Und macht es sich damit zu einfach

Weiße Elefanten«, so nennt man in der Entwicklungspolitik sinnlose Investitionsruinen, die mithilfe von Geldern aus den reichen Ländern in der Dritten Welt errichtet wurden und nun ungenutzt vor sich hin gammeln. Folgt man dem nun in die Kinos gekommenen Dokumentarfilm »Süßes Gift – Hilfe als Geschäft«, gleicht Afrika einem Gehege voll solch eigentümlicher Dickhäuter, rührend umsorgt und konserviert von einer Armada von aus Europa eingeflogenen Zoowärtern. Ein gigantischer Stausee zur Stromgewinnung, für den 12 000 Dorfbewohner umgesiedelt wurden, um ihren Brei heute immer noch über dem Feuer erhitzen zu müssen; eine riesige Halle zur Tiefkühlung von Fangfisch, ohne Wasserzufuhr und Stromanschluss – anhand derlei unzweideutiger Beispiele unterfüttert der Regisseur Peter Heller die Grundthese seines Films: Wenn Afrika nach fünfzig Jahren Unabhängigkeit und rund 600 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe immer noch mit der Armut kämpft, könnte dann die Unterstützung aus dem reichen Norden nicht nur am Bedarf vorbeigehen, sondern auch für den Fortgang der Misere mitverantwortlich sein?

Nun zielt der Film bestimmt nicht auf die Dirk Niebels dieser Welt, die immer schon zu wissen glaubten, dass die Transferzahlungen in den Süden eigentlich herausgeschmissenes Geld sind. Geschielt wird eher auf den Aufschrei unter Dritte-Welt-Aktivisten. Was »Süßes Gift« für diese zur bitteren Pille macht, ist der Nachdruck, mit dem die ansonsten nicht wirklich neue Kritik an der Entwicklungshilfe von Journalisten und Ökonomen aus Afrika selbst vorgebracht wird. Das verleiht dem Film eine vordergründige Authentizität, zumal auf jede Kommentierung aus dem Off verzichtet wird. Solche vornehme Zurückhaltung kann funktionieren, wenn sich in den dokumentierten Szenen eine untergründige Erzähldramaturgie durchsetzt. In »Süßes Gift« herrscht jedoch eher der Eindruck einer strukturlosen Reihe von Interviews und Beispielen, in denen obendrein noch verschiedenste Problembereiche unterschiedlicher Qualität rund um das Thema Armut und Afrika zusammengerührt werden, um dann als Beweis für das Desaster Entwicklungshilfe herzuhalten.

Richtiggehend fatal wirkt sich die fehlende Erläuterung von wirtschaftlichen Zusammenhängen jedoch auf den Tenor des Films aus: Wo über Weltmarktbeziehungen und Kolonialvergangenheit weitgehend geschwiegen wird, stellt sich die Rede über Mentalitäten umso schneller ein. Unisono behaupten die Intervi

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