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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Zerfahrene Lage

Boliviens Präsident Evo Morales galt unter sozialen Bewegungen als Heilsbringer, jetzt ist er ein Bösewicht. Beides ist zu einfach

Boliviens Präsident Evo Morales hat sich viel vorgenommen. Der erste indigene Präsident des Landes will Bolivien neu gründen, im Dienste der indigenen Bevölkerung. Dafür wird er weltweit von den sozialen Bewegungen als einer der ihren verehrt. Doch jetzt steht Morales unter Druck. Der Anlass: Die gewaltsame Auflösung des Protestmarsches gegen eine Nationalstraße durch einen von Indígenas besiedelten Nationalpark. Weltweit haben sich Menschen mit den Protestierenden solidarisiert. Morales drohte, in Ungnade zu fallen, bis er Ende Oktober den Bau der Straße stoppte. Doch so berechtigt die Proteste gegen die Auflösung des Marsches auch sind, diese Diskreditierung hat Morales nicht verdient. Allein mit Protest lässt sich die »Entkolonialisierung« von knapp 500 Jahren Fremdherrschaft nicht bewältigen.

Evo Morales kam im Zuge vielfältiger Proteste gegen die desaströsen Folgen des Neoliberalismus ins Amt. Die Chance, die diese Konstellation einer »Regierung der sozialen Bewegungen« bot, ist bis jetzt nicht ergriffen worden. Weder von der Regierung noch von den Bewegungen. Denn diese haben vielfältige eigene Interessen. Die meisten Bewegungen arbeiten nicht an der Umsetzung eines alternativen neuen Staates von unten. Sie protestieren und richten ihre Forderungen an die Regierung, die auch brav zahlt, wenn sie denn kann. Die Regierung müsste die Initiativen der Basis aufnehmen. Die Bewegung müsste von unten Initiativen zum Aufbau der neuen Gesellschaft ergreifen.

Wie falsch es ist, die zerfahrene Situation in Bolivien nur von einer Seite zu sehen, zeigt der aktuelle Protest. Natürlich zerstört eine Straße Land. Aber sie könnte auch Leben retten, weil sie Anschluss an das Gesundheitswesen bedeuten kann. Auch de