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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Keine Papiere, keine Rechte

»Illegale« leben schutzlos, in ständiger Angst, gehen auch als Kranke nicht zum Arzt. Doch die Gesellschaft stellt sich blind

Jian hat dieses Leben nicht gewählt. Trotzdem findet er, dass sein Alltag mit Schule und Arbeit im Geschäft eines Bekannten sich nicht sehr von dem seiner Mitschüler unterscheidet. Fünfzehn war er, als sein Vater ihn und seine Schwester aus China nach Paris holte, die Mutter kam nach. Verwandte lebten und arbeiteten bereits in Frankreich. Das familiäre Netzwerk half Jians Eltern, ebenfalls Arbeit zu finden. Jian ist ein sogenannter Sans-papiers, also einer der Menschen, die ohne Papiere und reguläre Aufenthaltsrechte im Land ihrer Zuflucht leben. Er gehört zu denen, die Insa Breyer für ihr Buch »Keine Papiere, keine Rechte« befragt hat. Darin beschreibt die Autorin, wie illegale Einwanderer in Deutschland und Frankreich ihre Aufnahmeländer wahrnehmen, welche sozialen Probleme sie haben, wer sie unterstützt und wie sie ihren Status legalisieren können.

Zwischen 250 000 und 400 000 Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus soll es in Frankreich geben. Weil sie dort manche Hilfen, speziell bei Krankheit, offiziell in Anspruch nehmen können, sind genauere Zahlen bekannt als in Deutschland. Hier ist die Rede von 500 000 bis zu einer Million Menschen, die illegal im Land leben. Wie viele es wirklich sind, weiß niemand. Denn Berechnungen basieren meist auf Zahlen illegaler Grenzübertritte oder von Aufgriffen durch die Polizei – mit dem fragwürdigen Ergebnis, dass es umso mehr Menschen ohne legalen Aufenthalt zu geben scheint, je stärker kontrolliert wird.

Unter ihnen sind überdurchschnittlich viele junge, erwerbsfähige Männer und Frauen, die es schaffen, unter den Bedingungen der Illegalität zu leben und zu arbeiten. Der Altersstruktur entsprechend haben viele von ihnen Kinder.