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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Der Sex und das Wurzelgift

von Johannes Frommen vom 04.05.2012
Können Lust und Erwachen zusammengehen? Deutsche Buddhisten diskutieren in München über Liebe und Leidenschaft

Buddha, Sex und Leidenschaft – diese thematische Verknüpfung lässt aufhorchen. Lehrte nicht Buddha in seinen »Vier Edlen Wahrheiten«, dass alles Leben leidvoll sei? Die Ursache des leidvollen Wandels sei, so erklärte der Meister, »Trishna«, der Lebensdurst nach materieller Existenz, der Trieb nach Erhaltung des Leibes, nach geschlechtlicher Vereinigung sowie das Streben nach Besitz irdischer Güter. Wer sich innerlich befreien wolle, müsse daher die Ursache, die Anhaftung an den Dingen, auslöschen.

Die Lehre des Buddha schenkt dem menschlichen Körper auch deshalb wenig Aufmerksamkeit, weil er nur ein Vehikel im Kreislauf der Wiedergeburten ist. Die Leidenschaft gilt dabei als eines der drei »Wurzelgifte« und Ursache für die Verstrickung des Menschen im endlosen Kreislauf von Hoffnung und Furcht, von Erwartung und Enttäuschung, von Wollen und Frustration.

Doch die Sexualität gehört zum Leben wie die Luft zum Atmen. Sie durchdringt die Gedanken der Menschen, ihr Tun und ihre Entscheidungen. Das wissen auch die Buddhisten. Schließlich gilt: Ohne Sex kann sich auch der Buddhist nicht fortpflanzen. Und so lud die Deutsche Buddhistische Union (DBU) kürzlich zu einem Kongress nach München ein, auf dem es um »Liebe und Verantwortung im Buddhismus« gehen sollte. Auf dem Programm standen Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen. Aufgezeigt werden sollten heilsame Wege der Sexualität. Denn im »Achtfachen Erlösungspfad« lehrt Buddha, unheilvolle Sexualität zu vermeiden.

Was aber ist unheilvoller Sex? Der One-Night-Stand? Sex im Rahmen mehrerer paralleler Beziehungen? Sexualität unter Menschen gleichen Geschlechts? Fragen, die während der Diskussionen im Plenum aufgeworfen wurden. Die Referenten gaben sich eher zurückhaltend. Sie scheuten eindeutige Urteile.

Man müsse sich halt stets dessen bewusst sein, was man tue, hieß es. »Übereinstimmung« zwischen den Beteiligten sei wichtig. Wenn jemand immer wieder sexuelle Affären habe, dann sei die für Buddhisten erforderliche Öffnung des Herzens und des Geistes für den anderen oder die andere wohl eher nicht gegeben, wurde gesagt. Andere argumentierten mit der Schwäche des Geistes (und des Leibes) und dass man eben nicht immer die ethischen Grundsätze befolgen könne. Entscheidende ethische Maxime müsse sein, den Partner oder die Partnerin nicht zu verletzen.

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