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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

»Da weht ein liberaler Geist«

von Ursula Rüssmann vom 04.05.2012
Warum ist der Koran auch ein europäischer Text? Und kann und darf man ihn historisch-kritisch lesen? Fragen an die Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth
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Frau Neuwirth, der Koran gilt als das heilige Buch der Muslime. Sie sagen, er sei ein europäischer Text. Warum?

Angelika Neuwirth: Er ist es nicht ausschließlich, aber er ist es auch. Wir Europäer sehen den Koran als den Text einer anderen, fernen Kultur und kommen nicht auf die Idee zu fragen, wie er sich denn zu unseren eigenen Gründungstexten verhält. Dabei ist die gemeinsame Herkunft von Koran und Bibel aus der Spätantike ein grundlegendes Faktum. Der Koran war ja nicht an Muslime gerichtet, denn die gab es damals noch gar nicht. Es handelte sich um eine religionsübergreifende Schicht von Gebildeten, die damals mit dem Koran angesprochen wurde und die in denselben inhaltlichen Auseinandersetzungen standen wie die Christen und Juden auch.

Also hatte Mo