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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2019
Die Waffen nieder!
Pazifismus in kriegerischen Zeiten. Wie sich Sicherheitspolitik neu denken lässt
Der Inhalt:

Mit dem Fahrrad nach Jerusalem

von Eva-Maria Lerch vom 17.11.2019
Der Westerwälder Bruno Schneider verwirklichte den Traum, den sein Vater nicht mehr leben konnte. Und stieß auf die vielen Wegen des universalen Gottes
Angekommen: Bruno Schneider am Damaskustor in Jerusalem (Foto: privat)
Angekommen: Bruno Schneider am Damaskustor in Jerusalem (Foto: privat)

Mein Vater hat immer davon geträumt, nach Israel zu pilgern. Aber er ist früh gestorben und hat die biblischen Stätten nie gesehen. Bei seinem Tod war ich elf Jahre alt und habe mir vorgenommen, dass ich diesen Traum für ihn wahrmache. Und nun, viele Jahre später, bin ich tatsächlich nach Jerusalem gepilgert – mit meinem Treckingrad.

Pilgern ist ja eine religiöse Tradition, es bedeutet Anstrengung und Mühe. Deshalb wollte ich den Weg mit dem Fahrrad zurücklegen, nicht mit dem Flugzeug. Unterwegs wollte ich die Völker und Religionen kennenlernen, die vielen Wege des universellen Gottes. Zu Hause in meiner Gemeinde bin ich als Gottesdiensthelfer und Vorsitzender der Kolpingfamilie aktiv. Aber ich interessiere mich auch für andere Glaubenswege. Kein Gotteshaus der großen Religionen lässt mich kalt.

Weil ich immer nur den Jahresurlaub zur Verfügung hatte, bin ich in zwei Etappen nach Jerusalem gefahren. 2015 fuhr ich in vier Wochen mit meinem Treckingrad vom Westerwald durch den Balkan bis nach Istanbul. Zwei Jahre später bin ich dann wieder in Istanbul gestartet und einen Monat lang über den Südosten der Türkei und Zypern bis nach Israel gereist.

An Main, Tauber und Donau habe ich in den Flüssen gebadet, meine Kleider auch dort gewaschen und an den Ufern gezeltet. Wenn ich an Klöstern vorbeikam, klopfte ich an die Pforte, bat um Abendbrot und Unterkunft. In Wilhering in Österreich begrüßte mich der Abt persönlich – und predigte dann auch im Gottesdienst über mich und meine Pilgerschaft: Da stand ich in meiner Warnweste und meiner kurzen Hose in der Klosterkirche, und die Mönche in ihren Kutten nickten mir zu. Aus den überladenen barocken Domen bin ich aber immer schnell wieder rau

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