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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

»Wir verhindern Zwangsräumungen«

Karin Baumert engagiert sich in Berlin für Menschen, denen der Verlust ihrer Wohnung droht

Wenn ich sehe, wie Menschen einfach aus ihrer Wohnung geworfen werden, kann ich das kaum ertragen. Im Bündnis Zwangsräumung verhindern! wehren wir uns dagegen. Zuletzt waren wir in Berlin Treptow, mit siebzig Leuten. Wir haben stundenlang die Haustür blockiert, als die Gerichtsvollzieherin kam. Die Räumung konnten wir am Ende nicht verhindern, aber wir haben es wenigstens versucht.

Zwangsräumungen sind meist ein Tabu, denn es gibt so viel Scham und Gefühle der eigenen Schuld bei den Betroffenen. Die Erste, die in Berlin ihre Not öffentlich machte, war die schwerbehinderte Nurije Cengiz in Kreuzberg. Sie hatte 2005 nach langer Suche eine Rollstuhl-geeignete Wohnung gefunden. Drei Jahre später wurde ihr gekündigt, weil die Wohnung in eine Eigentumswohnung umgewandelt werden sollte. Nurije Cengiz hängte Plakate in ihr Fenster, als ihr die Räumung drohte – und dies war der Beginn unseres Bündnisses.

Wenn wir von einer geplanten Räumung erfahren, gehen wir hin, meist morgens sehr früh, und setzen uns vor die Tür. Wir machen den Betroffenen klar: »Du bist nicht schuld, wenn du deine Wohnung verlierst.« Mit unserer Aktion zeigen wir nachbarschaftliche Solidarität, leisten aber auch zivilen Ungehorsam.

Ich war früher einmal für drei Jahre Baustadträtin im Berliner Bezirk Mitte. In der DDR hatte ich zur Stadtsoziologie der Bundesrepublik gearbeitet und eine eigene wissenschaftliche Auffassung für eine Gesellschaft nach dem Kapitalismus entwickelt. Für die Bürgerbewegung der DDR habe ich am Einigungsvertrag mitgewirkt und mich dafür eingesetzt, dass das kommunale Eigentum der DDR, beispielsweise Wohnhäuser, nicht privatisiert wird. Leider vergeblich. I